Hermann-Hesse-Bahn: Wie 49 Millionen Euro zu 207 Millionen explodierten
Brigitta SchülerHermann-Hesse-Bahn: Wie 49 Millionen Euro zu 207 Millionen explodierten
Ein neuer Bericht hat 100 Fälle von verschwendeten Steuergeldern in ganz Deutschland aufgedeckt. Das 53. "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler führt allein 11 Beispiele aus Baden-Württemberg auf. Einer der eklatantesten Fälle ist das problembehaftete Bahnprojekt "Hermann-Hesse-Bahn" im Landkreis Calw.
Ursprünglich sollte die Hermann-Hesse-Bahn 2018 den Betrieb wiederaufnehmen. Nun wird mit einer Fertigstellung erst Ende 2025 gerechnet. Die Kosten sind mittlerweile von anfangs veranschlagten 49 Millionen Euro auf voraussichtlich 207 Millionen Euro explodiert.
Baden-Württemberg hatte ursprünglich geplant, 50 Prozent der Baukosten zu tragen. Mittlerweile übernimmt das Land etwa 75 Prozent der Gesamtkosten. Die verbleibenden 25 Prozent werden vom "Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn" aufgebracht, dem der Landkreis Calw und die beteiligten Kommunen angehören.
Ein Teil der Verzögerungen und Kostensteigerungen geht auf Umweltschutzmaßnahmen zurück. So musste in zwei Tunneln eine Trennwand errichtet werden, um Fledermäuse zu schützen. Zwei der 18 heimischen Fledermausarten hatten zunächst Probleme mit den Veränderungen, was weitere Anpassungen erforderlich machte.
Das Projekt Hermann-Hesse-Bahn bleibt eines der teuersten und am stärksten verzögerten Vorhaben der Region. Bei einer nun für Ende 2025 geplanten Fertigstellung hat sich der Gesamtpreis auf mehr als das Vierfache des ursprünglichen Budgets erhöht. Der Fall wird im aktuellen "Schwarzbuch" als Beispiel für finanzielles Fehlmanagement aufgeführt.