17 March 2026, 04:20

Chefkets abgesagtes Konzert im HKW entfacht Debatte über Meinungsfreiheit und politische Symbolik

Plakat für die Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug mit Text zur Beschreibung des Ereignisses

Chefkets abgesagtes Konzert im HKW entfacht Debatte über Meinungsfreiheit und politische Symbolik

Ein Konzert des deutsch-schwäbischen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde letzte Woche abrupt abgesagt. Der Entschluss folgte auf massive Kritik an seiner Kleidungswahl – ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels –, das er am Jahrestag eines Hamas-Angriffs trug. Die Kontroverse hat seitdem an Fahrt aufgenommen und Künstler:innen, Politiker:innen sowie Kulturinstitutionen in ganz Deutschland in die Debatte hineingezogen.

Das HKW, bekannt für sein internationales Programm, steht seitdem unter scharfem Beschuss. Kritiker:innen werfen der Institution vor, die Absage spiegle die wachsenden Spannungen im deutschen Kulturbetrieb wider – insbesondere bei der Frage nach Meinungsfreiheit und politischer Symbolik.

Chefket, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden war, sollte im HKW auftreten, als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eingriff. Auf Druck aus Weimers Ministerium wurde der Auftritt in letzter Minute abgesagt, mit der Begründung, das Outfit des Rappers sei provokant. Das T-Shirt, das palästinensische Symbole mit den Grenzen Israels verband, galt angesichts des Datums – dem 7. Oktober, dem Jahrestag eines tödlichen Hamas-Angriffs – als unangemessen.

Als Reaktion zogen daraufhin alle anderen deutschen Künstler:innen, die im HKW auftreten sollten, ihre Teilnahme aus Solidarität zurück. Der Boykott hat das Programm des Hauses durcheinandergebracht; eines der wenigen unberührten Events war kürzlich ein Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Die Folgen der Affäre haben zudem die Diskussionen über die Ausrichtung des HKW unter seiner aktuellen Führung neu entfacht.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, ein kuratorischer Leiter aus Kamerun, übernahm 2023 die Intendanz des HKW. Seine Berufung markierte einen historischen Wandel: Zum ersten Mal wurde eine große deutsche Kulturinstitution vollständig von People of Color geleitet. Doch Ndikungs "postkolonialer" Programmansatz stößt in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf Widerstand. Während Kritiker:innen ihm vorwerfen, zu politisch zu agieren, sehen Befürworter:innen darin einen notwendigen Wandel.

Die Kontroverse hat das HKW weiter isoliert – eine Institution, die trotz ihrer prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts ohnehin schon von der Bundespolitik vernachlässigt wird. Selbst hochkarätige Versuche, Aufmerksamkeit zu generieren – wie die geplante Ausstellung des TV-Satirikers Jan Böhmermann mit dem Titel Die Möglichkeit der Unvernunft –, konnten den marginalisierten Status des Hauses nicht ändern. Unterdessen bleibt das "Rap-Botschafter"-Programm des Goethe-Instituts, das Chefket fördert, unbeeinflusst; von ähnlichen Überprüfungen in anderen europäischen Ländern ist nichts bekannt.

Ein Kommentator abtat die Debatte als Ablenkung und meinte, der Nahostkonflikt werde "nicht von mittelmäßigen deutschen Rappern gelöst". Doch der Schaden für den Ruf des HKW ist greifbar: Nach Jahren des Aufbaus eines internationalen Profils steht nun sein globales Ansehen auf dem Spiel.

Die Absage von Chefkets Konzert hat das HKW mit einer doppelten Krise zurückgelassen: dem Zusammenbruch der Künstler:innensolidarität und einer erneuten Prüfung seiner Führung. Die Fähigkeit der Institution, künftige Veranstaltungen auszurichten, steht nun infrage – die Kontroverse offenbart tiefere Gräben in der deutschen Kulterlandschaft.

Offizielle Änderungen bei der Finanzierung oder Programmpolitik wurden bisher nicht bekannt gegeben. Doch der Vorfall hat gezeigt, wie fragil Räume sind, die politische und künstlerische Ausdrucksformen verbinden sollen – besonders, wenn sich die Bundespolitik einmischt.

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