22 April 2026, 06:39

Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Gesundheitsreformen

Eine Frau erhält einen oralen Impfstoff, der von einem Arzt in lila Handschuhen mit einer Spritze verabreicht wird.

Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Gesundheitsreformen

Ein erbitterter Streit ist zwischen Apothekern und Ärzten über das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) in Deutschland entbrannt. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen Fragen der Finanzierung, Impfkompetenzen und die Rolle der Apotheker im Gesundheitssystem. Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme warf einem führenden Mediziner vor, die Fachkompetenz ihres Berufsstands zu untergraben.

Auslöser des Konflikts war Kritik des Kassenärztlichen Bundesvereins (KBV) an den Regierungsplänen, die Apothekengebühren zu erhöhen, ohne vergleichbare Unterstützung für Arztpraxen vorzusehen. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen griff das Bundesgesundheitsministerium (BMG) scharf an, weil es Apotheken gegenüber Ärzten bevorzugen würde. Er behauptete, die Ausgaben im Krankenhausbereich würden explodieren, während Apotheken durch zusätzliche Abgabegebühren eine Milliarde Euro extra erhielten. Zudem warnte Gassen, dass eine Ausweitung von Impfungen in Apotheken zu unkontrollierten Tests durch "medizinische Laien" führen könnte.

Reher-Gremme konterte scharf und bezeichnete Gassens Äußerungen als unwissend und arrogant. Sie betonte, dass Apotheker eine strenge Ausbildung durchlaufen, die auch eine staatliche Prüfung in klinischer Pharmazie umfasst. Ihre Expertise sei entscheidend, um Medikationsfehler, Wechselwirkungen und Fehlanwendungen zu verhindern – zentrale Faktoren für die Patientensicherheit.

Die Apothekerin wies zudem Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes zurück und versicherte, dass Apotheker solche Arzneimittel verantwortungsvoll handhaben. Als Beispiel führte sie die Pandemie an, in der Apotheken ohne Zwischenfälle sicher Grippe- und COVID-19-Impfungen durchführten. Reher-Gremme plädierte dafür, dass Ärzte und Apotheker als gleichberechtigte Partner an der Gestaltung eines stärkeren Gesundheitssystems mitwirken sollten.

Der KBV lehnt das ApoVWG weiterhin entschieden ab und befürchtet, dass es die evidenzbasierte Versorgung untergraben könnte. Der Streit dreht sich nun darum, ob Apotheker erweiterte klinische Aufgaben übernehmen werden – und ob die Finanzierung zwischen den Berufsgruppen neu justiert wird. Die Kontroverse offenbart tiefe Gräben darüber, wer künftige Gesundheitsreformen vorantreiben soll. Während Apotheker ihre unterbewerteten Fähigkeiten betonen, fordern Ärzte eine gleichberechtigte finanzielle Förderung. Solange das ApoVWG noch verhandelt wird, bleibt ungewiss, wie viel Einfluss Apotheken in der Patientenversorgung gewinnen werden.

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Eines ist sich beide Seiten einig: Das System braucht Veränderungen – doch wie diese aussehen sollen, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

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