Hohentengen beweist: Gigabit-Internet geht auch ohne Landesförderung
Gerfried ThiesHohentengen beweist: Gigabit-Internet geht auch ohne Landesförderung
Ein kleines Städtchen in Baden-Württemberg hat eines der schnellsten Internetnetze Deutschlands aufgebaut. Hohentengen am Hochrhein bietet seinen Einwohnern nun Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde (1 Gbps). Das Projekt wurde realisiert, ohne auf die seit Langem verzögerten Landesfördergelder zu warten – ein Beweis dafür, dass ländliche Gemeinden ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen können.
Der Weg dorthin begann, als die Verantwortlichen es leid waren, auf die Freigabe eines 2,25-Millionen-Euro-Zuschusses des Landes zu warten. Nach 18 Monaten Wartezeit beschloss Hohentengen, das Vorhaben in Eigenregie zu finanzieren. Die Gesamtkosten beliefen sich auf fast drei Millionen Euro, wobei die Gemeinde 465.000 Euro aus eigenen Mitteln beisteuerte.
Für den Ausbau des Netzes kam eine speziell angepasste Fräsmaschine zum Einsatz, die schmale, nur 15 Zentimeter breite und 40 Zentimeter tiefe Gräben zog. Diese Methode hielt die Beeinträchtigungen gering und ermöglichte es, über 10.000 Kilometer Glasfaserkabel in einem 90 Kilometer langen Netz zu verlegen.
Heute wird das System von zwei lokalen Trägern betrieben: MOKO, dem kommunalen Kommunikationstechnik-Betrieb der Gemeinde, und der MKTH GmbH, der dazugehörigen Managementgesellschaft. Der Service ist extrem gefragt – 96 Prozent der Haushalte haben einen Anschluss. Für 69 Euro im Monat erhalten die Einwohner Internet, Telefon und Fernsehen, alles mit einer Geschwindigkeit von 1 Gbps.
Der Erfolg des Städtchens strahlt weit über die eigenen Grenzen hinaus. Hohentengen berät mittlerweile den Landkreis Waldshut beim Aufbau eines leistungsstarken Backbone-Netzes. Der Bürgermeister wirbt aktiv dafür, dass sich andere ländliche Gemeinden ein Beispiel nehmen und eigenständige kommunale Glasfasernetze aufbauen.
Hohentengens Vorgehen zeigt, wie kleine Gemeinden bürokratische Hürden umgehen und Hochgeschwindigkeitsinternet bereitstellen können. Die Effizienz, die erschwinglichen Preise und die nahezu flächendeckende Nutzung des Netzes setzen Maßstäbe für ähnliche Projekte. Mit minimalen Störungen und lokaler Steuerung könnte dieses Modell andere ländliche Regionen dazu ermutigen, ihre digitale Infrastruktur selbst zu gestalten.






