Grün-Schwarz vor Koalition: Baden-Württembergs Bauern fordern Hauk als Agrarminister zurück
Hans-Josef BeckmannGrün-Schwarz vor Koalition: Baden-Württembergs Bauern fordern Hauk als Agrarminister zurück
Landtagswahl in Baden-Württemberg verändert politische Landschaft
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die politische Landschaft neu geordnet: Bündnis 90/Die Grünen und die CDU errangen jeweils 56 Sitze. Cem Özdemirs Erfolg deutet auf eine mögliche Fortsetzung der Grün-Schwarzen Koalition hin, während die rechtspopulistische AfD mit 35 Sitzen drittstärkste Kraft wurde. Die SPD hingegen stürzte mit historisch niedrigen 5,5 Prozent auf nur noch zehn Mandate ab, und sowohl die FDP als auch die Linke verpassten den Einzug in den Landtag vollständig.
Peter Hauk, der amtierende Landwirtschaftsminister der CDU, verteidigte sein Direktmandat im Wahlkreis Neckar-Odenwald mit 39,5 Prozent der Erststimmen. Sein starkes Abschneiden veranlasste den Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), sich für seine Wiederernennung einzusetzen – trotz Hauks öffentlicher Kritik an Özdemirs Bundespolitik. Hauk hatte dem Grünen-Vertreter zuvor vorgeworfen, es fehle ihm an "echter Leidenschaft" für den Agrarsektor und er gehe inhaltliche Debatten nicht tiefgehend genug an.
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) fordert nun ein gestärktes Landwirtschaftsministerium und schlägt sogar eine Zusammenlegung mit dem Umweltressort unter möglicher CDU-Führung vor. LBV-Geschäftsführer Marco Eberle nannte die Verringerung bürokratischer Hürden, Planungssicherheit für Investitionen und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen als dringendste Anliegen der Branche. BLHV-Präsident Bernhard Bolkart unterstrich diese Forderungen und betonte die Notwendigkeit einer engen Abstimmung zwischen Agrar-, Naturschutz- und Biodiversitätspolitik – ohne politische Grabenkämpfe.
Bei den Grünen zeigen sich indes keine klaren Kursänderungen in zentralen Agrarfragen wie Stallbauvorschriften, Tierhaltung oder Stilllegungsflächen seit der Wahl 2021. Zwar setzt sich Özdemir auf Bundesebene für mehr Tierschutz, den Ausbau des Ökolandbaus und Kritik an industrieller Massentierhaltung ein, doch die laufenden Landtagsdebatten zu Landwirtschaft, Tiernebenprodukten und Pestizidreduktion für 2025–2026 bleiben von einer programmatischen Weiterentwicklung der baden-württembergischen Grünen unberührt.
Mit gleich vielen Sitzen für Grünen und CDU zeichnen sich Koalitionsgespräche ab. Die Bauernverbände werben für Hauks Rückkehr als Landwirtschaftsminister, um Kontinuität und abgestimmte Politik zu gewährleisten. Angesichts der AfD als drittstärkster Kraft steht die nächste Regierung vor einem zersplitterten Parlament – und muss agrar- wie umweltpolitische Herausforderungen in einer schwierigeren Konstellation bewältigen.