13 June 2026, 16:16

Angélica Liddells radikale Hommage an Mishimas Selbstmord feiert rauschhafte Premiere

Wien-Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells radikale Hommage an Mishimas Selbstmord feiert rauschhafte Premiere

Angélica Liddells neueste Produktion Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte am Donnerstag im Volkstheater Premiere. In der zweistündigen Aufführung setzt sich die spanische Regisseurin und Schriftstellerin mit dem Leben jener auseinander, die sich selbst das Leben nahmen – darunter der japanische Autor Yukio Mishima. Liddell bezieht dabei auch persönliche Erfahrungen ein: Erst in diesem Jahr war sie Zeugin, wie sich eine Frau vom Gran Vía in Madrid in den Tod stürzte.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Inszenierung verwebt die Schicksale der Verstorbenen mit Mishimas eigener Geschichte. Der Schriftsteller inszenierte seinen rituellen Selbstmord bereits 1966 in einem Kurzfilm, bevor er 1970 tatsächlich Seppuku (die traditionelle japanische Form des Harakiri) beging. Liddell lässt diese Szene vor einem Hintergrund aus 250 vergoldeten Fliesen wiederaufleben und schlüpft dabei in die Rollen Fremder, indem sie deren Kleidung auf der Bühne trägt.

Düsterer Humor durchzieht die Vorstellung – etwa wenn ein sich selbst bewundernder Bodybuilder neben sich entkleidenden jungen Männern posiert. Den Höhepunkt bildet Liddells ekstatisches Plädoyer für den Freitod. Gemeinsam mit einer japanischen Mitspielerin lässt sie sich Blut abnehmen, das sie auf der Bühne vermischen – ein Teil der radikalen Performance.

Für die Produktion sammelte Liddell Kleidungsstücke von Menschen, die sich das Leben nahmen, und integriert sie in die Aufführung. Ihre Auseinandersetzung mit Tod und Identität gipfelt in einem packenden, fast körperlich spürbaren Erlebnis. Die Premiere unterstreicht einmal mehr ihren Mut zu provokanten, kompromisslosen Werken.

Quelle