Abschied mit Eklat: Warum Intendant Daniel Ris die Neue Bühne Senftenberg verlässt
Gerfried ThiesAbschied mit Eklat: Warum Intendant Daniel Ris die Neue Bühne Senftenberg verlässt
Daniel Ris verlässt Intendanz der Neuen Bühne Senftenberg – Streit um strukturelle Mängel und künstlerischen Erfolg
Daniel Ris wird nach Ablauf seines Fünfjahresvertrags 2027 sein Amt als Intendant der Neuen Bühne Senftenberg aufgeben. Die Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, hat für Diskussionen gesorgt: Während die lokalen Behörden strukturelle Probleme als Grund anführen, hat das Theater unter seiner Leitung wieder an regionaler Strahlkraft gewonnen – ähnlich wie in den Zeiten der DDR.
Die Stadt Senftenberg und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz bestätigten im März 2026 offiziell, dass strukturelle Defizite zur Nichtverlängerung von Ris' Vertrag geführt hätten. In Pressemitteilungen verwiesen sie auf mangelnde Einbindung in administrative Abläufe, schwache Zusammenarbeit mit den kommunalen Gremien sowie organisatorische Schwächen bei der Verwaltung des Freizeitparks. Dennoch betonte Bürgermeister Andreas Pfeiffer, dass Ris' künstlerische Fähigkeiten nie infrage standen. Gleichzeitig deutete er an, dass künftige Reformen eine Trennung der künstlerischen und kaufmännischen Leitung vorsehen könnten.
Die Träger des Theaters gingen in ihrer Kritik noch weiter: Sie warfen Ris mangelnde Führungsstärke, fehlende konstruktive Zusammenarbeit und strukturelle Versäumnisse vor. Zudem behaupteten sie, durch sein Wirken sei ein finanzieller Schaden in Höhe von 250.000 Euro entstanden. Ris selbst zeigt sich indes unbeeindruckt und konzentriert sich auf seine Arbeit – wenn auch mit Frustration über die Entscheidung, aber auch mit Vorfreude auf seine vierte und letzte Spielzeit. Wie verlautet, hat er bereits erste Vorstellungsgespräche an anderen Häusern geführt.
Unter Ris' Intendanz steigerte die Neue Bühne Senftenberg nicht nur ihre Eigenmittel, sondern zog mit mutigen Saisoneröffnungen an historischen Orten auch größeres Publikum an. Seine jüngste Produktion, eine satirische Auseinandersetzung mit der DDR-Sportkultur, persifliert militärische Trainingsmethoden, spielt auf Doping-Skandale an und hinterfragt den bedingungslosen Erfolgskult im Leistungssport. Die Aufführung hat lebhafte Debatten über das sportliche Erbe der DDR und seine heutige Bedeutung ausgelöst.
Spekulationen über die wahren Gründe für die Vertragsentscheidung halten sich hartnäckig. Einige vermuten, dass Ris' offene Haltung gegen rechtsextreme Politik und sein divers geprägter Lebensstil mit den konservativen Einstellungen der AfD-dominierten Region kollidiert sein könnten. Ungewiss bleibt auch die Zukunft der Intendanz selbst: Bisher gibt es keinen klaren Plan, wie die Position neu strukturiert oder besetzt werden soll.
Die Neue Bühne Senftenberg steht nun vor einer Übergangsphase, während Ris sich auf seinen Abschied nach der Spielzeit 2026/27 vorbereitet. Seine Amtszeit hat dem Theater zu neuem Glanz verholfen, doch die Auseinandersetzungen um seine Führung offenbaren tiefere Konflikte in der lokalen Politik. Die kommenden Monate werden zeigen, ob strukturelle Reformen die aufgeworfenen Probleme lösen können – oder ob der Streit das Haus nachhaltig prägen wird.






