Wolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ sorgt für Aufsehen
Brigitta SchülerWolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ sorgt für Aufsehen
Ein längst vergessener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur in Deutschland ist wieder aufgetaucht. "Kopfpilz" – auf Deutsch etwa "Hirnpilz" – wurde 1986 von Wolfram Weimer verfasst und enthält rohe, experimentelle Verse, die in krassem Gegensatz zu seiner heutigen Rolle stehen. Das Buch, das heute kaum noch aufzutreiben ist, hat kürzlich Aufmerksamkeit erregt, nachdem es online geteilt wurde.
Wolfram Weimer veröffentlichte "Kopfpilz" in jungen Jahren, lange bevor er in die Politik ging. Das Cover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil Edvard Munchs und deutet damit auf den beunruhigenden Inhalt hin. Die Gedichte im Inneren variieren stark in Stil und Sprache, oft mit derben Ausdrücken und drastischen Bildern. Ein Text setzt sich explizit mit den Themen Sex und Gewalt auseinander.
Das Buch wurde nie in großer Auflage verbreitet, und Weimer selbst soll dem Autor Knut Cordsen gegenüber geäußert haben, die Gedichte seien "auf keinen Fall zur Veröffentlichung freigegeben" gewesen. Dennoch haben einige Exemplare in Privatbesitz überlebt. Im Mai veröffentlichte Cordsen Auszüge aus "Kopfpilz" in seinen sozialen Medien und weckte damit neues Interesse. Seitdem wurden die Gedichte in zwei verschiedenen Podcasts vorgetragen. Dax Werner und Moritz Hürtgen, die Moderatoren von "Bohniger Wachmacher", lasen Passagen daraus vor. Gleichzeitig stießen auch Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz, die den Podcast "Neue Zwanziger" betreiben, auf Weimers frühes Werk und diskutierten es. Kritiker stellen fest, dass die Texte wenig mit romantischen Dichtern wie Novalis gemein haben, sondern eher an den provokativen Stil von Rammstein-Frontmann Till Lindemann erinnern.
Die Wiederentdeckung von "Kopfpilz" unterstreicht den deutlichen Kontrast zwischen Weimers literarischen Jugendexperimenten und seiner heutigen politischen Position. Obwohl das Buch vergriffen ist, hat sein plötzliches Wiederauftauchen Debatten über künstlerische Entwicklung und öffentliche Wahrnehmung ausgelöst. Eine offizielle Stellungnahme Weimers zu dem Band liegt bisher nicht vor.