Warum die Welt in Meinungen ertrinkt – und die Natur plötzlich mitredet
Gerfried ThiesWarum die Welt in Meinungen ertrinkt – und die Natur plötzlich mitredet
Die Welt scheint überzuquellen von Meinungen zu jedem erdenklichen Thema. In dieser vergangenen Woche allein wurde der Autor mit Ansichten zu globalen Konflikten, Essgewohnheiten, Tierrechten und sogar Atemtechniken überschwemmt.
Talkshows, Podcasts und Online-Foren produzieren unablässig neue Perspektiven für den öffentlichen Konsum. Manche behaupten inzwischen, es werde gesellschaftlich inakzeptabel, seine Meinung für sich zu behalten. Der Autor schlägt scherzhaft vor, eine tägliche Obergrenze von drei Meinungen pro Person einzuführen – jede weitere bedürfe der Genehmigung durch eine Rebhuhn-Dame.
In einem verspielt gedachten Experiment beginnt die Natur selbst, menschliches Verhalten zu bewerten. Sonnenblumen, Mücken und sogar ein Schlafzimmer-Kaktus äußern ihre Gedanken zu den Handlungen des Autors. Das Mittelmeer sortiert Urlauber nach ihrem Benehmen. Daraus entsteht eine Theorie: Vielleicht suchen die Menschen gerade deshalb die Natur auf, weil sie einen der letzten Rückzugsorte ohne Bewertung bietet.
Trotz des Lärms bleibt der Autor skeptisch gegenüber den Vorzügen achtsamen Atmens. Der endlose Strom an Meinungen zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Meinungen vermehren sich weiter auf jeder Plattform und in jedem Gespräch. Die Welt, so scheint es, wird nie ausgehen an ihnen. Die Natur, einst eine stille Zuflucht, könnte in dieser imaginären Zukunft noch in den Chor der Meinungsäußerungen einstimmen.
