Warum Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromexporte nicht stoppte
Brigitta SchülerWarum Deutschlands Atomausstieg 2011 die Stromexporte nicht stoppte
Deutschlands Atomausstieg 2011 entfachte Debatten über Energiesouveränität und Handel
Die Entscheidung Deutschlands, 2011 aus der Kernenergie auszusteigen, löste eine Diskussion über die energetische Unabhängigkeit und den Stromhandel aus. Kritiker warnten, das Land werde dadurch gezwungen, stärker auf Atomstromimporte aus dem Ausland zurückzugreifen. Doch Handelsdaten und Produktionszahlen erzählten eine andere Geschichte.
Trotz der Abschaltung von fast der Hälfte seiner Atomkraftwerke nach der Fukushima-Katastrophe blieb Deutschland ein Netto-Stromexporteur.
Im März 2011 kündigte Deutschland den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie an – als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe in Japan. Innerhalb einer Woche gingen fast 50 Prozent der deutschen Atomkapazitäten vom Netz. Kritiker, darunter ein Artikel im Der Spiegel im September desselben Jahres, behaupteten, das Land werde den Ausfall durch vermehrte Importe von Atomstrom aus Tschechien, Frankreich und der Schweiz ausgleichen.
Doch in den Handelsdaten zeigte sich kein Anstieg der Atomstromimporte. Auch die Nachbarländer steigerten ihre Kernkraftproduktion nicht. Zudem schränkte die geographische Lage Deutschlands die Möglichkeiten ein: Während kein deutsches AKW näher als 30 Kilometer an einer Grenze lag, befanden sich vier französische und Schweizer Reaktoren in dieser Nähe.
Laut dem Energiefachverlag Montel verfügte Deutschland bereits vor Fukushima über ein Stromüberangebot. Die deutsche Handelsstrategie basierte darauf, bei hoher Nachfrage zu exportieren und bei niedriger Nachfrage zu importieren. Da exportierte Kilowattstunden höhere Preise erzielten, blieb das System profitabel. Trotz der AKW-Abschaltungen blieb Deutschland 2011 ein Nettoexporteur – 2012 und 2013 verzeichnete das Land sogar Rekordwerte bei den Stromexporten.
Atomkraftwerke sind von ihrer Konzeption her auf eine nahezu vollständige Auslastung ausgelegt. Ein plötzlicher, großer Import von Atomstrom wäre für Deutschland daher selbst bei inländischen Engpässen physisch kaum möglich gewesen. In der Praxis blieb der Einfluss des Atomausstiegs auf den grenzüberschreitenden Nuklearstromhandel daher minimal.
Der deutsche Atomausstieg führte nicht zu einem Anstieg der Atomstromimporte. Stattdessen behielt das Land in den Jahren nach 2011 seine Rolle als Netto-Stromexporteur bei. Weder die Handelsströme noch die Produktionszahlen in den Nachbarstaaten zeigten signifikante Veränderungen, die mit der Politikänderung in Verbindung standen.






