19 April 2026, 16:21

Von Herrenschneiderei bis Bolzplatz: Was Deutschland jetzt als Kulturschatz schützt

Schwarzes und weißes Foto vom Barnet Fair in London, England, mit Zelten, Menschen, Karren, Pfählen, Bäumen und Gebäuden.

Von Herrenschneiderei bis Bolzplatz: Was Deutschland jetzt als Kulturschatz schützt

Eine aktualisierte Liste der immateriellen Kulturschätze Deutschlands ist veröffentlicht worden. Die Auswahl, die von der Kultusministerkonferenz, der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, bekannt gegeben wurde, würdigt Traditionen von handwerklichen Fertigkeiten bis hin zu Volksfesten. Doch die Entscheidungen haben auch Diskussionen darüber ausgelöst, was als kulturell bedeutend gilt.

Zu den neu anerkannten Traditionen zählt die handwerkliche Kunst der Herrenschneiderei. Beamte lobten ihre Präzision und historische Bedeutung und stuften sie als schützenswertes Kulturgut ein. Daneben fand auch die deutsche Schaustellerkultur – bekannt für ihre lebendige Präsenz auf Volksfesten – Aufnahme in die Liste.

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Weitere Alltagspraktiken, die nun als Kulturschätze gelten, sind das Angeln, das Schaukeln auf Schaukelbooten und das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz. Selbst eine skurrile Kleinanzeige aus den 1980er-Jahren mit dem Titel "Junger Mann sucht Reisebegleitung" wurde für ihre Kreativität und als Ausdruck deutscher Offenheit gewürdigt.

Auffällig fehlten jedoch der Döner – ein fester Bestandteil der deutschen Straßenkultur – sowie unabhängig geführte, linksgerichtete Buchhandlungen. Auch die Bratwurst vom Sommerfest der SPD erhielt keine offizielle Anerkennung. Weimers strenge Herangehensweise an die kulturelle Wertschätzung hatte bereits früher für Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere nach seiner jüngsten Entscheidung, die Förderung eines Übersetzungsprojekts für palästinensische Autor:innen zu streichen, was zu öffentlichen Protesten führte.

Die aktualisierte Liste vereint nun jahrhundertealte Handwerkskunst mit modernen Eigenheiten. Während einige Neuzugänge den deutschen Alltagskultur feiern, zeigen die Auslassungen, wie sehr die Debatte darüber, was staatliche Förderung verdient, noch immer andauert. Die Entscheidungen werden mitbestimmen, wie diese Traditionen in den kommenden Jahren unterstützt – und in Erinnerung behalten – werden.

Quelle