Videostreit vor Landtagswahl 2026: Grünen und CDU im Machtkampf um Baden-Württemberg
Gerfried ThiesPalmer: "Kann mit der Seele der CDU mitfühlen" - Videostreit vor Landtagswahl 2026: Grünen und CDU im Machtkampf um Baden-Württemberg
Ein umstrittenes Video hat in Baden-Württemberg nur wenige Wochen vor der Landtagswahl 2026 einen politischen Eklat ausgelöst. Die Aufnahme, die von der Grünen-Abgeordneten Zoe Mayer geteilt wurde, zeigt Manuel Hagel, damals 29 Jahre alt, wie er sich über das Aussehen einer Schülerin äußert. Die CDU wirft den Grünen vor, eine "schmutzige Kampagne" zu führen – die Spannungen zwischen den beiden Parteien verschärfen sich damit kurz vor den geplanten Koalitionsgesprächen.
Das Video verbreitete sich in der heißen Phase des Wahlkampfs rasant. Hagels Äußerungen lösten Vorwürfe wegen Sexismus aus und verdrängten sachpolitische Debatten aus der öffentlichen Diskussion. CDU-Generalsekretär Tobias Vogt verurteilte nur Tage vor der Wahl die Vorgehensweise der Grünen als gezielte Verleumdungskampagne.
Die Grünen setzten sich knapp durch; Cem Özdemir soll Winfried Kretschmann als Ministerpräsident ablösen. Doch die Folgen des Videos belasten das politische Klima. CDU-Landeschef Thomas Strobl sprach von einer "nachhaltig vergifteten" Stimmung durch eine Kampagne "aus der untersten Schublade" und stellte die künftige Zusammenarbeit infrage.
Der ehemalige Grünen-Politiker Boris Palmer räumte zwar die Verärgerung der CDU ein, wies aber Vorwürfe einer abgestimmten Diffamierung zurück. Einzelne Abgeordnete hätten eigenständig gehandelt – ein Konzept, das die CDU seiner Meinung nach nur schwer nachvollziehen könne. Palmer betonte, nun müsse es darum gehen, Vertrauen wiederaufzubauen. Ohne dieses werde es schwer, eine stabile Koalition zu bilden.
Das Wahlergebnis bringt die Grünen in die Regierungsverantwortung, doch der Videostreit hat tiefe Gräben hinterlassen. Für erfolgreiche Koalitionsverhandlungen müssen beide Seiten den Konflikt überwinden. Solange das Vertrauen nicht wiederhergestellt ist, bleibt der Weg zu einer handlungsfähigen Regierung ungewiss.