07 May 2026, 12:30

Vergessene jüdische Geschichte: Halberstadts dunkles DDR-Erbe und der verweigerte Erinnerungskampf

Plakat mit schwarzem Hintergrund, das den Text 'Errichtet das jüdische Heimatland jetzt - Palästina-Restaurierungsfonds' zeigt, begleitet von Bildern von Gebäuden, Hügeln und einem Sternsymbol.

Vergessene jüdische Geschichte: Halberstadts dunkles DDR-Erbe und der verweigerte Erinnerungskampf

Ein neues Buch des Historikers Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit.„Verweigerte Erinnerung“ zeigt, wie die antifaschistische Politik der Stadt tief verwurzelten Antisemitismus und Autoritarismus nicht überwinden konnte. Die Arbeit beleuchtet zudem die systematische Auslöschung jüdischer Kultur in der DDR – trotz der Beiträge jüdischer Künstler und Schriftsteller.

Die jüdische Gemeinde Halberstadts war bereits lange vor Gründung der DDR zerstört worden. Im November 1938 wurde die Synagoge der Stadt während der Novemberpogrome niedergerissen. Bis 1942 waren die letzten verbliebenen Juden für die Deportation zusammengetrieben worden; einzig der jüdische Friedhof blieb als stummer Zeuge ihrer Präsenz zurück.

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1949 entstand auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge, wo Zwangsarbeiter ihr Leben verloren hatten, eine Gedenkstätte. Zwei Jahrzehnte später wurde der Ort umgestaltet – nicht als Raum der Besinnung, sondern als Kulisse für politische Kundgebungen. Die neue Anlage wurde direkt über den Gräbern der Häftlinge errichtet. In den 1970er-Jahren nutzte die DDR die Lagertunnel als Militärdepot für die Nationalen Volksarmee.

Grafs Recherchen offenbaren eine beunruhigende Lücke im Selbstbild der DDR: Zwar prägten jüdische Persönlichkeiten wie Lin Jaldati, Peter Edel und Jurek Becker die ostdeutsche Kultur, doch der Staat unternahm nichts, um jüdisches Erbe zu bewahren. Sein Buch argumentiert, dass es 1949 wie auch 1989 Instrumente gegen Faschismus und Antisemitismus gegeben hätte – sie wurden jedoch beide Male ignoriert.

Das Werk fordert eine Neubewertung der Frage, wie sich Autoritarismus und Antisemitismus unter verschiedenen politischen Deckmänteln halten. Gleichzeitig plädiert es dafür, veraltete Analysemodelle zu hinterfragen, die diese Probleme nie angemessen erfassten. Grafs Erkenntnisse mahnen, historische Versäumnisse aufzuarbeiten – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Quelle