Unternehmen schlagen Alarm: Schulabgänger unvorbereitet für Ausbildung und Beruf
Gerd BuchholzUnternehmen schlagen Alarm: Schulabgänger unvorbereitet für Ausbildung und Beruf
Eine aktuelle Umfrage der IHK Reutlingen zeigt wachsende Bedenken unter heimischen Unternehmen hinsichtlich der Berufsreife von Schulabgängern. Über 300 Betriebe beteiligten sich an der Befragung, wobei die Mehrheit dringenden Handlungsbedarf bei der Vorbereitung von Jugendlichen auf Ausbildung und Berufsleben fordert. Die Ergebnisse deuten auf erhebliche Defizite – sowohl in fachlichen Kenntnissen als auch in persönlichen Kompetenzen – bei jungen Bewerbern hin.
An der Erhebung, die sich an mehr als 3.000 Ausbilder in Unternehmen richtete, beteiligten sich rund 300 Teilnehmer. Zu den wichtigsten Akteuren zählten Betriebe, Berufsschulen, Industrie- und Handelskammern, Gewerkschaften sowie staatliche Bildungsbehörden. Ihre Rückmeldungen ergaben, dass 84 Prozent der Unternehmen der Ansicht sind, viele Schulabgänger seien unzureichend auf eine Ausbildung oder ein Studium vorbereitet.
Besonders bei Grundfertigkeiten wie Kopfrechnen, Rechtschreibung und digitaler Kompetenz sehen die Unternehmen gravierende Schwächen. IHK-Präsident Johannes Schwörer wies darauf hin, dass einige Absolventen selbst einfache Aufgaben ohne digitale Hilfsmittel nicht bewältigen könnten. Gleichzeitig betonten 82 Prozent der Betriebe, wie wichtig eine Verbesserung der schulischen Bildung sei, um diese Lücken zu schließen. Doch nicht nur fachliche Mängel bereiten Sorgen: Arbeitgeber kritisieren auch fehlende persönliche Eigenschaften. Viele Bewerber mangelt es an Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und Kritikfähigkeit – Fähigkeiten, die für den Berufserfolg als unverzichtbar gelten. Thorsten Leupold, bei der IHK zuständig für Ausbildung und Prüfungen, forderte eine stärkere Arbeitsmoral und eine mentale Wandel bei Jugendlichen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Die Unternehmen wünschen sich mehr Praxisbezug im Unterricht, etwa das Verfassen professioneller E-Mails oder den Umgang mit gängiger Bürosoftware. Zudem erwarten sie von Bewerbern Problemlösungsfähigkeiten und ein höfliches Auftreten. Die IHK wird diese Forderungen nun zusammenfassen und an Bildungsbehörden sowie weitere Entscheidungsträger herantragen.
Die Umfrageergebnisse sollen in den kommenden Wochen mit Politikern und Pädagogen besprochen werden, um die identifizierten Schwachstellen zu beheben. Die Unternehmen haben klare Erwartungen formuliert: Schulabgänger müssen sowohl in puncto Grundwissen als auch in sozialen Kompetenzen besser vorbereitet werden. Als nächste Schritte sind eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Schulen und staatlichen Institutionen geplant, um die notwendigen Reformen umzusetzen.