Tübinger Forscher entschlüsseln Europas genetische Zukunft mit Millionenbudget
Gerfried ThiesTübinger Forscher entschlüsseln Europas genetische Zukunft mit Millionenbudget
Ankündigung Das Tübinger Institut ist Teil des größten EU-weiten Projekts zum Aufbau einer europäischen Genomdatenbank.
Veröffentlichungsdatum 17. Dezember 2024, 11:08 Uhr
Schlagwörter Wissenschaft, Finanzen, Wirtschaft, Technologie
Artikeltext Ein großes europäisches Vorhaben soll die größte Genomdatenbank des Kontinents schaffen. Unter dem Namen „Genom Europas“ vereint die Initiative 49 Partner aus 27 Ländern mit dem Ziel, mindestens eine Million Genome zu erfassen. Das Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik in Tübingen ist die einzige deutsche Einrichtung, die an der Sequenzierungsarbeit beteiligt ist.
Das Projekt läuft über 42 Monate und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 45 Millionen Euro. Die Hälfte der Mittel stammt aus der EU, die andere Hälfte wird von den Mitgliedstaaten bereitgestellt. Das Tübinger Institut erhält allein fast 6 Millionen Euro – je zur Hälfte von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.
In der ersten Phase werden Referenzgenome von über 100.000 Menschen erstellt. Teilnehmende sind Personen verschiedener Nationalitäten sowie Patient:innen mit Tumoren und seltenen Erkrankungen. Jedes Genom wird mittels Ganzgenomsequenzierung vollständig kartiert, um die gesamte genetische Information zu erfassen.
Koordiniert wird die Initiative vom Erasmus Universitair Medisch Centrum in den Niederlanden. Ziel ist es, die genombasierte Gesundheitsversorgung zu verbessern. Professor Olaf Rieß, Direktor des Tübinger Instituts, betont die Bedeutung des Projekts für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin. Durch die Vernetzung genomischer Daten in ganz Europa können Forscher:innen genetische Variationen und Krankheitsmechanismen besser verstehen. Diese Zusammenarbeit soll künftig Diagnosen bestätigen und Erkrankungen vorbeugen helfen.
Die Datenbank wird die Entwicklung maßgeschneiderter medizinischer Behandlungen auf Basis genetischer Erkenntnisse unterstützen. Mit Beiträgen aus ganz Europa soll das Projekt die Vielfalt der kontinentalen Bevölkerung widerspiegeln. Die Ergebnisse könnten die Gesundheitsversorgung der Zukunft prägen – durch präzisere und präventivere Ansätze.