Stuttgart 21 startet im Dezember 2026 – Jahre später und Milliarden teurer als geplant
Hans-Josef BeckmannStuttgart 21 startet im Dezember 2026 – Jahre später und Milliarden teurer als geplant
Stuttgarts lang ersehnter Bahn-Großprojekt "Stuttgart 21" geht endlich im Dezember 2026 in Betrieb
Der unterirdische Bahnhof des seit Jahren umstrittenen und verzögerten Eisenbahnprojekts Stuttgart 21 wird im Dezember 2026 eröffnet – Jahre später als geplant und zu deutlich höheren Kosten als ursprünglich veranschlagt. Nicht alle Zugverbindungen werden sofort umziehen: Einige Regionalzüge nutzen das alte Kopfbahnhof-Terminal noch bis Mitte 2027.
Ursprünglich sollte das Projekt bereits 2019 fertiggestellt werden, doch Klagen, sich ändernde Anforderungen, komplexe Genehmigungsverfahren und schwierige geologische Bedingungen unter Stuttgart führten zu immer neuen Verzögerungen. Auch die Kosten explodierten: Statt der ursprünglich veranschlagten 4,5 Milliarden Euro belaufen sie sich mittlerweile auf rund 11,3 Milliarden. Wer die Mehrkosten tragen soll, ist nach wie vor ungeklärt.
Trotz aller Hindernisse gab es Fortschritte: Bis September 2023 waren alle 56 Kilometer Tunnel sowie 57 Kilometer neue Gleise fertiggestellt. Die Schnellfahrstrecke zwischen Wendlingen und Ulm – mit 12 Tunneln und 37 Brücken – ging sogar vorzeitig Ende 2023 in Betrieb. Noch laufen die Arbeiten an der Gleisverlegung, der Montage von 1.200 Oberleitungsmasten und der Anbindung des Flughafentunnels. Die 28 markanten "Kelchstützen" (kelchförmige Stützen) des neuen Bahnhofs wurden zwar bereits im Juni 2023 fertiggestellt, doch das Kernstück des Stuttgarter Eisenbahnknotens ist noch im Bau.
Die schrittweise Inbetriebnahme soll die Belastung für Fahrgäste verringern. Ab 2026 werden im unterirdischen Bahnhof alle acht Gleise genutzt, während die Regionalverbindungen schrittweise innerhalb der folgenden sechs Monate vom alten Terminal umziehen. Stuttgart 21 wird zudem der erste vollständig digitalisierte Eisenbahnknoten Deutschlands sein und mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) betrieben.
Sobald das Projekt vollständig abgeschlossen ist, wird Stuttgart 21 das Eisenbahnnetz der Stadt mit neuen Bahnhöfen, Tunneln und digitaler Technik revolutionieren. Die enormen Kosten und die Verzögerungen spiegeln die Komplexität des Vorhabens wider. Die ersten Züge werden im Dezember 2026 durch den unterirdischen Bahnhof fahren, bis Juli 2027 soll das gesamte System integriert sein.






