Streit um Wolf, Biber und Saatkrähe: Baden-Württembergs umkämpfte Jagdverordnung
Hans-Josef BeckmannForscher bestätigen: Weniger Jagen kann mehr schützen - Streit um Wolf, Biber und Saatkrähe: Baden-Württembergs umkämpfte Jagdverordnung
Baden-Württemberg hat mit der Aufnahme von Wölfen, Bibern und Saatkrähen in die Jagdregulierung eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Agrarminister Peter Hauk erließ die entsprechende Verordnung Ende Dezember, doch der Schritt stößt auf massiven Widerstand. Fachleute argumentieren, dass die Bejagung dieser Tiere Konflikte nicht löse – im Gegenteil: Sie könnte sie sogar verschärfen. Ziel der Maßnahme ist es, die wachsenden Bestände der Arten zu kontrollieren. Studien zeigen jedoch, dass eine Bejagung langfristig oft keine Bestandsreduzierung bewirkt. Getötete Tiere werden schnell durch neue ersetzt, die in die freigewordenen Reviere einwandern. Naturschutzorganisationen, darunter die Grünen und der NABU, lehnen die Änderungen ab. Sie warnen, dass die Einstufung bisher geschützter Arten als jagdbar durch zusätzliche Bürokratie die Regulierung erschwere. Bei Wölfen betonen Wissenschaftler zudem, dass das Töten einzelner Tiere Übergriffe auf Nutztiere begünstigen kann, da es die Rudeltiere destabilisiert. Alternativen haben sich anderswo bereits bewährt: In Sachsen-Anhalt reduzierten Zäune und Herdenschutzhunde Wolfsangriffe auf Farmtiere deutlich. Bei Bibern helfen Lenkungssysteme und Schutzverordnungen, ihre Auswirkungen ohne Tötungen zu steuern. Gleichzeitig leisten Biber einen wichtigen Beitrag zur Renaturierung von Flüssen und Feuchtgebieten, während Wölfe durch die Regulierung von Reh- und Hirschbeständen die Waldverjüngung fördern. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Wolfsbestand in Baden-Württemberg noch gering. Bundesweit wurden 2023 rund 20.300 Wölfe gezählt, doch im dicht besiedelten Südwesten sind es deutlich weniger. Die neuen Jagdregeln vertiefen die Gräben in der regionalen Wildtierpolitik. Während Landwirte und Teile der Behörden auf Bejagung setzen, plädieren Naturschützer und Forscher für nicht-tödliche Lösungen. Die Entscheidung wird zeigen, wie Baden-Württemberg künftig menschliche Interessen mit den ökologischen Vorteilen dieser Arten in Einklang bringt.