06 February 2026, 02:38

Schülerprojekt bringt vergessene Schicksale der NS-Zwangsarbeit auf die Bühne

Ein offenes Tagebuch mit handgeschriebenem Text, das einem im Zweiten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten gehörte.

Schülerprojekt bringt vergessene Schicksale der NS-Zwangsarbeit auf die Bühne

Ein von Schüler:innen geleitetes Theaterprojekt in Schwenningen hat vergessene Geschichten über NS-Zwangsarbeit wieder zum Leben erweckt. Das Gymnasium am Deutenberg führte kürzlich Vergessene Schicksale auf, ein Stück, das die 18-jährige Karina Rassejkin entwickelt hat. Die Aufführung ist ein weiterer Schritt in einer umfassenderen Initiative, die die Erlebnisse Tausender Zwangsarbeiter:innen in der Region während des Zweiten Weltkriegs aufarbeitet.

Das Projekt Lokalgeschichte international: NS-Zwangsarbeit in Villingen-Schwenningen auf der Spur startete 2025. Ziel war es, das Leben von bis zu 4.000 Männern, Frauen und Jugendlichen zu erforschen und zu dokumentieren, die zwischen 1939 und 1945 in Fabriken, Bauernhöfen und Werkstätten in Schwenningen zur Arbeit gezwungen wurden. Bisher konnten die Forscher:innen über 3.400 Zwangsarbeiter:innen identifizieren, rund 150 beteiligte Betriebe sowie etwa 250 Unterkünfte, in denen die Arbeiter:innen untergebracht waren.

Unter der Leitung der Historiker:innen Lisa Schank und Florian Kemmelmeier hat sich die Initiative längst über die reine Archivarbeit hinausentwickelt. Schüler:innen des Romäus-Gymnasiums reisten zu den Arolsen Archives, um originale NS-Dokumente zu studieren. Workshops, Exkursionen und Kooperationen mit der Hochschule für Polizei – wo mittlerweile auch Bachelorarbeiten zu dem Thema entstehen – haben die Reichweite des Projekts erweitert.

Die Ergebnisse sollen bald einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Am 18. Juli eröffnet im Uhrenindustriemuseum eine Ausstellung über Zwangsarbeit in der Region. Zudem wird im Herbst eine eigens konzipierte Website als langfristiges Bildungsangebot online gehen. Das Modell hat bereits bundesweit Aufmerksamkeit erregt, da keine andere Region bisher einen vergleichbaren Ansatz verfolgt.

Die Verbindung von Forschung, Bildung und öffentlicher Teilhabe setzt Maßstäbe dafür, wie Gemeinden ihre eigene Geschichte aufarbeiten können. Mit der Ausstellungseröffnung im Juli und dem Start der Website im Herbst werden die Schicksale der Schwenninger Zwangsarbeiter:innen noch sichtbarer. Die Initiator:innen hoffen, dass das Projekt ähnliche Vorhaben in anderen Städten und Gemeinden anstoßen wird.