Schmelztiegel statt Goldener Rekord
Ein kürzlich von der deutschen Familienfirma Kettner Edelmetalle veranstaltetes Webinar hat bundesweit für Aufsehen gesorgt, nachdem der Popstar Dieter Bohlen darin mit umstrittenen Äußerungen auftrat. Die Online-Veranstaltung, an der auch ultraconservative Redner teilnahmen, hat eine Debatte über politischen Extremismus und Wirtschaftspolitik in Deutschland entfacht. Fast 900.000 Zuschauer verfolgten die Diskussion im Netz.
Das in Villingen-Schwenningen ansässige Unternehmen, das seit 2011 von Dominik Kettner geführt wird und rund 40 Mitarbeiter beschäftigt, hatte das Webinar über seinen YouTube-Kanal organisiert. In der Vergangenheit hatte Kettner Edelmetalle in seinem Online-Magazin bereits Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen geschürt und ein Verbot der linksextremen „Antifa“-Bewegung gefordert.
Während der Veranstaltung kritisierte Dieter Bohlen – bekannt als Juror bei Germany’s Next Topmodel und ehemaliges Mitglied der Popgruppe Modern Talking – das deutsche Sozialsystem. Er lobte die Wirtschaftspolitik von Donald Trump und forderte die Deutschen auf, „die Ärmel hochzukrempeln“ und härter zu arbeiten. Die AfD bezeichnete er als zu Unrecht mit dem „Faschismus“-Stempel belegt und verurteilte die politische Ausgrenzung der Partei. Bohlen drohte sogar, Deutschland innerhalb weniger Stunden zu verlassen, falls eine Vermögenssteuer eingeführt werde.
Zu den weiteren Gästen zählte Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis, die für ihre ultraconservativen christlichen Ansichten bekannt ist. Sie lehnt Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehen und den westlichen Liberalismus ab und bezeichnete Vielfalt als Bedrohung. Ebenfalls auf dem Podium: der Politikwissenschaftler Werner Patzelt und der Journalist Peter Hahne, die beide durch provokante Positionen auffallen. Patzelt hatte zuvor vorgeschlagen, die CDU solle mit der AfD kooperieren, um linken Einfluss zu verhindern. Hahne wiederum veröffentlichte Bücher wie Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?! und Meint ihr das ernst?!, in denen er politische Korrektheit und Bürokratie angreift.
Das Video des Webinars wurde inzwischen fast 900.000 Mal aufgerufen und 49.000 Mal mit einem „Gefällt mir“ markiert – und hat so die polarisierenden Botschaften weiter verbreitet. Bohlens Aussagen zu Vermögenssteuern, der AfD und der Wirtschaftspolitik befeuern erneut die Diskussionen über politischen Extremismus und Steuerreformen in Deutschland. Die Reichweite der Veranstaltung zeigt, wie stark randständige politische Stimmen zunehmend den Mainstream-Diskurs prägen.