Rückversicherer kämpfen mit steigenden Kosten und wachsender Nachfrage nach Naturgefahren-Schutz
Hans-Josef BeckmannRückversicherer kämpfen mit steigenden Kosten und wachsender Nachfrage nach Naturgefahren-Schutz
Der Rückversicherungsmarkt steht vor sich wandelnden Anforderungen, da extreme Wetterereignisse den Bedarf an umfassenderem Versicherungsschutz in die Höhe treiben. Erstversicherer suchen verstärkten Schutz, doch steigende Kosten und unsichere Marktbedingungen erschweren die Entscheidungen im Vorfeld der Januar-Erneuerungen.
MAPFRE RE hingegen setzt auf Wachstum in den USA, Lateinamerika und der Asien-Pazifik-Region, während Branchenexperten warnen, dass die früheren Preisniveaus für Schadenhäufigkeits- und Ertragsabsicherungen kaum zurückkehren dürften.
In den vergangenen zwei Jahren ist die Nachfrage nach verpflichtender Naturgefahrenversicherung in Europa stark gestiegen. Länder wie Frankreich, Spanien und die Niederlande verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei den Policen, wobei Frankreich ein Plus von 15 Prozent meldet. Häufige Überschwemmungen und Stürme haben private Haushalte und Unternehmen dazu veranlasst, nach besserem Schutz zu suchen.
Gleichzeitig verzeichnen Rückversicherer für den Zeitraum 2024–2026 starke Zeichnungsergebnisse. Dieser Erfolg drückt zwar auf die Preise, doch die Unternehmen werden voraussichtlich ihre Zeichnungsdisziplin beibehalten. Makler könnten jedoch mit Einnahmenlücken kämpfen und daher gezwungen sein, zusätzliche niedrigere Selbstbehalte oder Häufigkeitsschutzdeckungen zu erwerben – trotz der hohen Kosten und der im Vergleich zu älteren Verträgen verzögerten Aktivierung.
Bei den anstehenden Januar-Erneuerungen ist mit einer höheren Nachfrage nach Kostenreduzierungen und Häufigkeitsdeckungen seitens der Erstversicherer zu rechnen. Einige greifen zudem auf zusätzliche Kapazitäten im Katastrophengeschäft zurück, beeinflusst durch Änderungen in den Anbietermodellen und gezielte Einkaufsstrategien. Doch das Risikoappetit der Rückversicherer könnte mit dieser wachsenden Nachfrage nicht vollständig übereinstimmen.
Politische Initiativen in Teilen Europas könnten den Bedarf an Versicherungsschutz weiter steigern. Pläne für eine verpflichtende Naturgefahrenversicherung würden den Druck zusätzlich erhöhen. Mark Meyerhoff, Regionalchef für EMEA bei MAPFRE RE, hat eine Rückkehr zu den Preisen und Konditionen von vor zwei oder drei Jahren ausgeschlossen.
Wie sich der Markt über Januar hinaus entwickeln wird, bleibt ungewiss. Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, könnten Rückversicherer Kapazitäten zurückfahren und gezielt verkaufen. MAPFRE RE konzentriert sich unterdessen auf Expansion, insbesondere in den USA sowie in Wachstumsregionen wie Lateinamerika und Asien-Pazifik.
Die Erstversicherer stehen bei den Januar-Erneuerungen vor schwierigen Entscheidungen: Sie müssen höhere Kosten gegen den Bedarf nach breiterem Schutz abwägen. Die Rückversicherer werden zwar ihre Disziplin wahren, könnten die Kapazitäten aber anpassen, falls sich die Marktbedingungen ändern.
Der Trend zu verpflichtenden Naturgefahrenversicherungen in Europa, kombiniert mit politischen und klimabedingten Druckfaktoren, sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz hoch bleibt – auch wenn Preise und Verfügbarkeit weiter ungewiss sind.