Reutlingens OB warnt vor Rechtsextremismus bei Gedenkfeier für Kriegsopfer
Gerd BuchholzReutlingens OB warnt vor Rechtsextremismus bei Gedenkfeier für Kriegsopfer
Reutlingens Oberbürgermeister warnt vor wachsendem Rechtsextremismus und Nationalismus
Bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Zweiten Weltkriegs hat Reutlingens Oberbürgermeister vor erstarkendem Rechtsextremismus und Nationalismus gewarnt. Die Veranstaltung erinnerte an lokale Gräueltaten, darunter die Deportation von Sinti-Familien nach Auschwitz-Birkenau im Jahr 1942. Schülerinnen und Schüler, Vertreter aus Politik und Militär kamen zusammen, um über die Geschichte und ihre Lehren für die Gegenwart nachzudenken.
Die Feier begann mit Reden von Schülerinnen und Schülern der Eichendorff-Realschule. Zehntklässler entwarfen mit eindringlichen Bildern eine Welt in Flammen und Leben, die durch den Krieg zerschlagen wurden. Ihre Worte prägten eine nachdenkliche Stimmung für die Versammlung.
Anschließend richtete sich Oberbürgermeister Thomas Keck an die Anwesenden und betonte die Bedeutung, sich an die Erzählungen der Überlebenden zu erinnern. Er verwies auf den 2000 errichteten Gedenkstein für John Reinhardt, einen Augenzeugen der Deportationen. Keck warnte zudem vor dem wachsenden Einfluss radikaler rechtsextremer Gruppen und rief dazu auf, die Demokratie zu verteidigen und einander zuzuhören. Pfarrer Roland Knäbler griff diese Sorgen auf und mahnte, dass Angst und Spaltung um sich greifen, wenn die Gesellschaft die Starken über die Schwachen stellt.
Nach den Ansprachen legten Teilnehmer – darunter Reservisten der Bundeswehr und Vertreter der US-Streitkräfte – Kränze am Kriegsdenkmal nieder. Der Gedenkmarsch endete mit einer Schweigeminute für die Opfer beider Weltkriege.
Die Veranstaltung unterstrich die Notwendigkeit, das historische Gedächtnis zu bewahren, während gleichzeitig moderne Bedrohungen angegangen werden müssen. Schüler, Amtsträger und Veteranen standen gemeinsam im Gedenken. Ihre Botschaften machten deutlich, wie gefährlich es ist, die Vergangenheit zu vergessen – und welche Risiken vom heutigen Rechtsextremismus ausgehen.