02 February 2026, 10:37

Neuer Film stellt NSU-Version im Mordfall Kiesewetter radikal infrage

Eine Gruppe deutscher Kriegsgefangener aus Messines steht vor einem Gebäude unter einem klaren blauen Himmel, mit Text am unteren Rand des Bildes.

Neuer Film stellt NSU-Version im Mordfall Kiesewetter radikal infrage

Ein neuer Film bringt eine der schockierendsten ungelösten Morde Deutschlands wieder in die öffentliche Diskussion. Am 25. April 2007 wurde die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn gemeinsam mit ihrem Kollegen Martin A. durch Kopfschüsse getötet. Offiziell wurde die Tat der rechtsextremen NSU-Terrorgruppe zugeordnet – doch seit Jahren gibt es Zweifel an dieser Version. Unter der Regie von Dustin Loose und produziert von Gabriela Sperl wirft "Die Nichte des Polizisten" einen neuen Blick auf den Fall. Der Film beginnt mit der brutalen Tat und zeichnet dann Kiesewetters Karriere in einer Spezialeinheit der baden-württembergischen Polizei nach. Dabei deutet er an, dass sie ihren Mörder möglicherweise kannte – und wirft Fragen nach Verbindungen zwischen kriminellen Clans und einzelnen Beamten auf. Die Produktion hinterfragt zudem die Rolle staatlicher Institutionen: Haben Versäumnisse von Polizei oder Geheimdiensten eine Rolle gespielt? Die Schlusssequenz ist mit "L'Amour Toujours" von Gigi D'Agostino unterlegt – ein Lied, das inzwischen in rechtsextremen Kreisen als Symbol gilt. Im Anschluss an den Film zeigt die ARD die Dokumentation "Warum musste Michèle Kiesewetter sterben?". Seit 2007 ist das Misstrauen gegenüber deutschen Behörden gewachsen. Skandale wie die Krah-Affäre 2020, die Razzien gegen Reichsbürger 2021 – die Infiltration von Militär und Justiz offenbarten – oder die Berichte 2024 über Verbindungen der AfD zu Sicherheitsbehörden haben die Forderungen nach Reformen befeuert. Der Film erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach systemischem Wandel lauter werden als je zuvor. Der Mord an Michèle Kiesewetter gilt offiziell weiterhin als unaufgeklärt – trotz der NSU-Zuordnung. Film und Dokumentation wollen Druck für Antworten machen und spiegeln damit die größeren Sorgen über Extremismus in staatlichen Strukturen wider. Die Ermittlungen zu ihrem Tod und möglichen Verstrickungen prägen weiterhin die deutsche Debatte über Sicherheit und Verantwortung.