31 January 2026, 14:52

Neue Informationsstele in Bremen würdigt Ludwig Franks umstrittenes Erbe

Ein Denkmal mit drei Tafeln vor einem Gebäude, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, wahrscheinlich zum Gedenken an Weltkriegsopfer.

Neue Informationsstele in Bremen würdigt Ludwig Franks umstrittenes Erbe

Bremen stellt neue Informationsstele am Ludwig-Frank-Denkmal im Unteren Luisenpark auf

Die aktualisierte Stele thematisiert die vielschichtige Vergangenheit des Denkmals und regt zur öffentlichen Auseinandersetzung mit seiner Geschichte an. An dem Projekt wirkten mehrere zivilgesellschaftliche Gruppen mit, darunter das MARCHIVUM, die Kunsthalle Bremen und die Universität Bremen.

Ludwig Frank (1874–1914) war ein bedeutender SPD-Politiker, Jurist und Abgeordneter im Bremer Landtag sowie im Reichstag. Als prägende Figur des süddeutschen Reformismus organisierte er die sozialistische Arbeiterjugendbewegung und gründete 1904 in Bremen den ersten Arbeiterjugendverband Deutschlands. Zudem setzte er sich für internationale Verständigung ein und ermöglichte 1913 in der Schweiz ein parlamentarisches Treffen zwischen französischen und deutschen Delegierten.

Trotz seiner pazifistischen Haltung meldete sich Frank zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst und fiel noch im selben Jahr. Sein politisches Wirken konzentrierte sich auf lokale Belange Bremens, wobei er sich für Chancengleichheit im Bildungssystem, das allgemeine Wahlrecht und gegen koloniale Gewalt einsetzte.

Das ursprüngliche Denkmal zu seinen Ehren wurde in der NS-Zeit zerstört. 1950 schuf der Bildhauer Bernhard Bleeker – dessen eigene Verbindungen zum NS-Regime später kritisch hinterfragt wurden – eine neue Version. Die aktuelle Stele ordnet diese Kontroversen nun ein und lädt zur Diskussion ein.

Begleitend zur Aufstellung findet eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen statt. Am 8. Februar veranstaltet die Kunsthalle Bremen einen Vortrag zur Geschichte des Denkmals, gefolgt von einem Gespräch mit einer Künstlerin.

Ziel der Stele ist es, eine reflektierte Erinnerungskultur zu fördern, indem historische Fakten offen dargestellt werden. Gleichzeitig wird Franks Erbe als Reformer und seine Rolle in der Politik des frühen 20. Jahrhunderts gewürdigt. Öffentliche Vorträge und Diskussionsrunden vertiefen die Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Denkmals und seiner sich wandelnden Deutung.