17 January 2026, 14:04

Merz will Tele-AU abschaffen – zu viele Krankschreibungen in Deutschland

Eine Gruppe von Menschen sitzt vor einem Gebäude auf dem Boden und hält Schilder, mit einer Fahne und einem Apfel auf der Straße und einer Frau, die rechts steht und besorgt aussieht.

"Nötig?" Merz kritisiert hohe Fehlzeiten - Merz will Tele-AU abschaffen – zu viele Krankschreibungen in Deutschland

Bundeskanzler Friedrich Merz äußert Besorgnis über steigende Krankschreibungen in Deutschland

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich besorgt über die wachsende Zahl von Krankschreibungen in Deutschland geäußert. Arbeitnehmer:innen fehlen im Schnitt mittlerweile 14,5 Tage pro Jahr – ein Anstieg, der Forderungen nach politischen Reformen laut werden lässt. Die Debatte hat auch die Diskussion um die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die 2021 als vorübergehende Maßnahme eingeführt wurde, wiederbelebt.

Merz stellte infrage, ob das sogenannte Tele-AU-System weiterhin notwendig sei. Er schlug vor, es komplett abzuschaffen, und regte Gespräche mit der SPD an, um Krankschreibungen zu reduzieren und die Wirtschaftsleistung zu steigern. Seine Äußerungen decken sich mit der Haltung der CSU: Parteichef Markus Söder wirft dem System vor, es werde missbraucht – insbesondere an Brückentagen –, was zu unnötigen Fehltagen führe.

Söder plädierte für eine Rückkehr zu persönlichen Arztbesuchen, da dies die Krankschreibungen verringern würde. Die Krankenkasse AOK widersprach jedoch der Annahme, dass telefonische Atteste die Fehlzeiten in die Höhe treiben. Einige Expert:innen vermuten stattdessen, dass der Anstieg gemeldeter Ausfälle mit der Einführung der elektronischen Krankschreibungsmeldung zusammenhängt. Ursprünglich war das System während der Pandemie eingeführt worden, um Ärzt:innen zu entlasten. Nun gerät seine Zukunft unter Druck, da Politiker:innen und Wirtschaftsführungen nach Wegen suchen, die Produktivität der Belegschaften zu erhöhen.

Die Regierung steht unter Zugzwang, das Tele-AU-Modell zu überprüfen. Kritiker:innen werfen ihm vor, es begünstige übermäßige Krankschreibungen. Bei einer Abschaffung müssten Arbeitnehmer:innen wieder persönlich beim Arzt vorsprechen, um ein Attest zu erhalten. Die Entscheidung könnte die Art und Weise, wie Deutschland mit Arbeitsausfällen umgeht, in den kommenden Jahren grundlegend verändern.