31 May 2026, 12:20

Mehrfachjobs als Überlebensstrategie: Warum die Mittelschicht immer mehr arbeitet

Polyworking

Mehrfachjobs als Überlebensstrategie: Warum die Mittelschicht immer mehr arbeitet

Mehrere Jobs gleichzeitig – für viele in der deutschen Mittelschicht längst Alltag

Steigende Mieten, stagnierende Löhne und wirtschaftliche Unsicherheit zwingen immer mehr Menschen in Deutschland dazu, zwei oder mehr Tätigkeiten gleichzeitig auszuüben, um über die Runden zu kommen. Eine Autorin berichtete kürzlich, wie sie über ein Jahr lang zwei Teilzeitstellen in Redaktionen innehatte – zusätzlich zu freiberuflichen Projekten –, nur um ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten decken zu können.

Ihr Fall steht exemplarisch für einen breiten Trend. Eine Umfrage des Portals Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass mittlerweile jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob ausübt. Für die Autorin reichte eine einzige Teilzeitstelle kaum, um die Miete zu bezahlen – eine Vollzeitbeschäftigung war finanziell schlicht nicht tragbar. Stattdessen arbeitet sie nun 50 bis 60 Stunden pro Woche auf zwei Redaktionsstellen verteilt und nimmt häufig noch zusätzliche freiberufliche Aufträge an.

Teilzeitstellen boomen – doch selbst Festanstellungen reichen oft nicht Seit 2020 ist die Zahl der ausgeschriebenen Teilzeitjobs um fast 69 Prozent gestiegen, besonders in Großstädten. Berlin verzeichnete innerhalb eines Jahrzehnts einen Mietanstieg von 69 Prozent und gehört damit zu den am stärksten betroffenen Regionen. Doch selbst viele Vollzeitstellen zahlen so wenig, dass Arbeitnehmende kaum ihre Existenzkosten decken können, geschweige denn für die Rente vorsorgen.

Hinzu kommt die Unsicherheit: Die Autorin arbeitet auf Basis befristeter Verträge, während KI-gestützte Entlassungswellen als ständige Bedrohung im Raum stehen. Schlafmangel ist zur Normalität geworden, denn die langen Arbeitszeiten lassen kaum Raum für Erholung. Das Problem beschränkt sich nicht auf sie: Anfang 2026 erreichte die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademikerinnen einen Rekordwert – ein weiteres Alarmzeichen für die wachsenden wirtschaftlichen Belastungen.

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Prekäre Mehrfachbeschäftigung als neuer Standard Der Trend zum „Polyworking“ – dem parallelen Ausüben mehrerer Jobs – unterstreicht die wachsende Kluft zwischen Löhnen und Lebenshaltungskosten. Angesichts fast verdoppelter Mieten innerhalb von zehn Jahren und oft unzureichender Vollzeitgehälter sehen sich immer mehr Berufstätige gezwungen, zusätzliche Tätigkeiten aufzunehmen. Doch von einer Besserung ist nichts in Sicht: Die wirtschaftliche Instabilität drängt selbst gut ausgebildete Arbeitnehmende in unsichere, mehrgleisige Beschäftigungsverhältnisse.

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