Mannheims Vereine brechen ihr Schweigen zu NS-Verstrickungen
Mannheim gedenkt am 27. Januar mit feierlicher Veranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus
Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand die Rolle örtlicher Vereine und Verbände während der NS-Zeit. Reden, historische Recherchen und musikalische Darbietungen prägten die Veranstaltungen im MARCHIVUM.
Eröffnet wurde die Zeremonie mit einer Ansprache von Oberbürgermeister Christian Specht. Er betonte, dass Vereine soziale Bindungen stärken und das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern widerspiegeln. Specht warnte vor Ausgrenzung und Diskriminierung und rief die Organisationen dazu auf, ihre Vergangenheit kritisch aufzuarbeiten.
Vier Vereine präsentierten ihre Erkenntnisse zu NS-Verstrickungen: die Mannheimer Jugendfeuerwehr, die DGB-Jugend Nordbaden, die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken sowie das Fanprojekt Mannheim. Auch der Rotary Club Mannheim legte offen, wie er nach 1933 Mitglieder wie Konrad Adenauer oder den jüdischen Schriftsteller Karl Wolfskehl ausschloss.
Prof. Dr. Deborah Kämper mahnte in einem eindringlichen Vortrag vor Gleichgültigkeit. Sie zeigte auf, wie sich viele Verbände in NS-Strukturen einpassten und antisemitische Praktiken übernahmen. Nach den Novemberpogromen 1938 wurden Jüdinnen und Juden systematisch aus Vereinen und Sportverbänden ausgeschlossen, so Kämper.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltungen von Emilia Ohloff, Johanna Giebels und Julia Pohlmann. Durch das Programm führten Laura Gattner und Theodoros Argiantzis. Zudem wurden Archivfunde der Künstlernachlässe Mannheim vorgestellt – unter anderem im Rahmen der MARCHIVUM-Session "Was hat das mit mir zu tun?" gegen 16:15 Uhr.
Die Gedenkfeier unterstrich die Notwendigkeit, dass sich Vereine ihrer Geschichte stellen. Specht dankte den beteiligten Organisationen für ihre Offenheit. Die Veranstaltungen erinnerte daran, wie Verbände einst mit dem NS-Regime kollaborierten – und wie wichtig es ist, diese Vergangenheit heute wachzuhalten.