23 March 2026, 12:24

Kratzers provokante Paradies-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper

Schwarz-weißes Kupferstich 'Aaron Staying the Plague' zeigt verstörte Menschen auf einem Feld unter einer untergehenden Sonne.

Kratzers provokante Paradies-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper

Die Hamburger Staatsoper hat mit einer mutigen Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri unter ihrem neu berufenen Intendanten Tobias Kratzer für Furore gesorgt. Die von Omer Meir Wellber dirigierte Premiere deutete Schumanns Oratorium mit scharfen zeitgenössischen Bezügen um und löste beim Publikum sowohl Begeisterung als auch kontroverse Diskussionen aus.

Kratzers Inszenierung brach bewusst mit der Tradition, indem er die Handlung in eine moderne Kriegszone verlegte, in der einfache Menschen einen von einer weißen Führungsperson geschürten Konflikt ausfechten. Die Figur des sterbenden Jünglings – zentral in Schumanns Werk – wurde als schwarzer Mann dargestellt, der sich trotzig gegen Autoritäten auflehnt. Die Produktion griff zudem weitere gesellschaftliche Themen auf, darunter die Klimakrise, und verwob sie in die Erzählung.

Die vierte Wand wurde konsequent durchbrochen: Die Darsteller traten in direkten Kontakt mit dem Publikum. Ein prägender Moment entstand, als Vera-Lotte Boecker in der Rolle der Peri über die Zuschauerreihen kletterte und sich neben eine zu Tränen gerührte Besucherin setzte – eine Szene von ungeschönter emotionaler Wucht. Dieser immersive Ansatz spaltete die Meinungen, doch zum Ende des Abends überwog bei der Mehrheit begeisterte Zustimmung.

Wellber, der neue Generalmusikdirektor, führte die Philharmoniker Hamburg zu einer mitreißenden musikalischen Leistung, die der Intensität der Inszenierung in nichts nachstand. Die Premierenreihe umfasste zudem neue Musiktheaterabende wie Monster's Paradise von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek – ein deutliches Signal für Kratzers Bestreben, das Programm der Oper vielfältiger zu gestalten.

Kratzer hat wiederholt betont, die Institution für ein breiteres Hamburger Publikum öffnen zu wollen. Zwar bleiben konkrete Pläne für künftige Publikumseinbindung noch vage, doch die Premiere unterstrich seinen Willen zu provokanter, gesellschaftlich relevanter Kunst.

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Die Aufführung erhielt ein gespaltenes, letztlich aber triumphales Echo: Vereinzelte Buhrufe gingen im anhaltenden Applaus unter. Kratzers Vision für die Hamburger Staatsoper – eine Verbindung aus klassischem Repertoire und drängenden zeitgenössischen Themen – hat damit ihren Lauf genommen. Die Reaktion des Publikums deutet darauf hin, dass viele diesen kühnen Neuanfang bereitwillig mitgehen.

Quelle