Krankenhausversorgung am Bodensee steht nach Insolvenz des Medizin-Campus vor dem Kollaps
Brigitta SchülerKrankenhausversorgung am Bodensee steht nach Insolvenz des Medizin-Campus vor dem Kollaps
Ungewisse Zukunft der Krankenhausversorgung am Bodensee nach finanziellen und administrativen Rückschlägen
Die Zukunft der Krankenhausversorgung im Bodenseekreis bleibt ungewiss, nachdem eine Reihe finanzieller und administrativer Probleme das Projekt in eine Krise gestürzt hat. Der Medizin-Campus Bodensee, einst gemeinsam von der Stadt Friedrichshafen und dem Landkreis Bodensee getragen, steht nach dem Rückzug Friedrichshafens Mitte 2024 vor der Insolvenz. Diese Entscheidung löste eine Kettenreaktion aus und hinterließ die lokale Gesundheitsversorgung in einem chaotischen Zustand.
Im Juli 2024 beschloss der Gemeinderat von Friedrichshafen, sich aus der Trägerschaft des Medizin-Campus Bodensee zurückzuziehen. Der Schritt stieß beim Landkreis Bodensee auf scharfe Kritik, der argumentierte, der Ausstieg destabilisiere das gesamte Vorhaben. Bis Januar 2026 war der Campus insolvent, was zur Schließung der Inneren Medizin am Standort Tettnang führte. Sieben Übernahmeangebote gingen ein, doch eine sofortige Lösung blieb aus.
Unterdessen hat die Oberschwabenklinik die insolventen MVZ-Einrichtungen in Friedrichshafen und Tettnang ab 2026 übernommen. Dieser Schritt deutet auf eine wachsende Abhängigkeit von externen Anbietern hin – ein Kontrast zur Stabilität anderer regionaler Krankenhäuser wie etwa in Meersburg. Der Kreistag lehnte jedoch eine gemeinsame Sitzung mit der Stadt als "nicht praktikabel" ab.
Der Landrat betonte, eine Übernahme der Betriebsverantwortung bis Jahresende sei weder rechtlich noch praktisch umsetzbar. Der Landkreis bestreitet zudem, vorher gewusst zu haben, dass er irgendwann die Trägerschaft übernehmen müsste. Dennoch stimmte der Kreistag zu Beginn des neuen Jahres für die Übertragung des Medizin-Campus Bodensee von der Stadt auf den Landkreis.
Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg unterstrich sein Engagement für den Erhalt der Krankenhausversorgung in der Region. Zwar begrüßt es, dass Betreiber die bestehenden Strukturen prüfen, in die Entscheidungen über die Standorte Friedrichshafen und Tettnang wird es sich jedoch nicht einmischen. Der Fokus liege darauf, das bestmögliche Ergebnis für Patienten und Mitarbeiter zu sichern. Ob eine Übernahme des Medizin-Campus Bodensee noch möglich sei, wollte das Ministerium nicht kommentieren. Der Kreistag wird sich am 14. Oktober weiter mit der Thematik befassen.
Die Insolvenz des Medizin-Campus Bodensee hat die lokale Gesundheitsversorgung in eine prekäre Lage gebracht. Mit der Schließung wichtiger Abteilungen und der Einbindung externer Betreiber steht die Region vor einer Phase des Umbruchs. Die nächsten Schritte des Landkreises und die Begleitung durch das Ministerium werden entscheiden, wie sich die Krankenhausversorgung am Bodensee weiterentwickelt.