Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg: CDU und Grüne kämpfen um die Macht
Brigitta SchülerKopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg: CDU und Grüne kämpfen um die Macht
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 hat sich zu einem erbitterten Zweikampf zwischen CDU und den Grünen entwickelt. Noch vor wenigen Monaten lag die CDU mit über zehn Punkten in Führung, doch ein Comeback der von Cem Özdemir geführten Grünen hat die beiden Parteien nun Kopf an Kopf gebracht. Ein kurz vor der Wahl aufgetauchter Skandal um CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel beherrscht die Schlagzeilen und drückt andere zentrale Themen in den Hintergrund.
Zu Beginn des Wahlkampfs im Oktober 2024 lag die CDU noch deutlich vorn. Aktuelle Umfragen von INSA, der Forschungsgruppe Wahlen und dem ZDF-Politbarometer zeigen beide Parteien nun bei 27 bis 28 Prozent, während die Grünen seit Jahresbeginn von 24 Prozent aufgestiegen sind. Die AfD liegt bei 18 bis 20 Prozent, während SPD, FDP und Linke mit 5,5 bis 9 Prozent deutlich zurückfallen.
Özdemirs Wahlkampf konzentriert sich auf wirtschaftliche Erholung, Sicherheit und Bildung – darunter das Versprechen, das letzte Kita-Jahr beitragsfrei zu gestalten. Mit seiner Strategie, auch gemäßigtere Wähler anzusprechen und selbst die umstrittene Figur Boris Palmer zu umarmen, hat er ein Defizit von 14 Punkten fast aufgeholt. Durch Kritik an der Migrationspolitik seit 2015 konnte er zudem Sicherheitsbedenken von Wählern aufgreifen.
Eine abrupten Wendung nahm der Wahlkampf, als ein acht Jahre altes Video von Hagel auftauchte, das ihn als 29-jährigen Kandidaten zeigt. Darin beschrieb er die Augen einer Studentin als "rehbraun", was Vorwürfe des Sexismus auslöste. Die Grünen veröffentlichten den Clip nur zwei Wochen vor der Wahl; Özdemir traf sich kurz darauf mit dem Abgeordneten, der das Material weitergegeben hatte. Die Affäre überlagert seitdem Debatten über die wirtschaftlichen Probleme des Landes und die anhaltende Krise bei Daimler.
Bei 32 Prozent unentschlossenen Wählern bleibt der Ausgang offen. Beide großen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen, sodass als realistische Option nur eine schwarz-grüne Koalition bleibt.
Entscheidend für das Wahlergebnis wird nun sein, welchem der beiden Spitzenkandidaten die Wähler mehr Führungsstärke zuschreiben. Hier liegt Özdemir in den Umfragen klar vorn. Da es keine tragfähigen Alternativen zu einer Zusammenarbeit von CDU und den Grünen gibt, wird die künftige Regierungspolitik davon abhängen, welche der beiden Parteien am Sonntag die Nase vorn hat.






