Kölner Stadtarchiv: Wie eine Katastrophe die Stadt bis heute prägt
Gerfried ThiesKölner Stadtarchiv: Wie eine Katastrophe die Stadt bis heute prägt
Der Einsturz des historischen Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 bleibt eine Narbe im Stadtbild. Mehr als ein Jahrzehnt später ist das Gelände noch immer eine Ansammlung von Sandhügeln und wildwucherndem Gestrüpp, während die unterirdischen Bauarbeiten voraussichtlich weitere acht Jahre andauern werden. Unterdessen sind die juristischen Auseinandersetzungen um die Katastrophe leise in Vergessenheit geraten – viele Fragen blieben unbeantwortet.
Am 3. März 2009 schlug das Unglück zu: Das Archiv, in dem 1,7 Millionen Dokumente aus tausend Jahren Geschichte lagerten, versank in einem durch Grundwasser entstandenen Krater. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern verloren ihr Leben, als der Boden unter ihnen nachgab. Rettungskräfte verbrachten Monate damit, zerrissenes Papier zu sieben und die Fragmente in 20 Notarchiven zu verteilen, um wenigstens einen Teil des Kulturguts zu retten.
Eine spätere Untersuchung förderte zutage, dass kritische Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die trotz fehlender Erfahrung mit Großprojekten dieser Art die Bauarbeiten überwacht hatten, gerieten in die Kritik. Die juristischen Verfahren zogen sich hin, endeten mit einer Mischung aus Verurteilungen und Freisprüchen – bis sie 2024 schließlich wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt wurden.
Seit 2011 setzt sich die Initiative ArchivKomplex für eine würdige Gedenkstätte und Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Doch der Fortschritt ist zäh. Erst 2023 wurde das Gelände teilweise mit Beton verfüllt – doch nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-Stadtbahn wiederaufgenommen werden, soll der provisorische Beton bald entfernt werden. Fertig gestellt, soll die neue Linie die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Der Einsturz riss nicht nur ein Loch in den Kölner Boden, sondern auch in das kulturelle Gedächtnis der Stadt. Während die unterirdischen Bauarbeiten voraussichtlich bis mindestens 2032 andauern, bleibt die Stelle eine sichtbare Mahnmal der Katastrophe. Die juristischen Verfahren sind abgeschlossen – doch der Kampf um angemessene Anerkennung und die mühevolle Arbeit, die verlorenen Aufzeichnungen zu rekonstruieren, geht weiter.






