Kirchensteuer-Rückgang zwingt Bistum Rottenburg-Stuttgart zu radikalen Sparmaßnahmen bis 2027
Gerfried ThiesDruck auf die Kirche - Diözese kürzt erneut Mittel - Kirchensteuer-Rückgang zwingt Bistum Rottenburg-Stuttgart zu radikalen Sparmaßnahmen bis 2027
Katholische Bistümer in ganz Deutschland stehen unter wachsendem finanziellen Druck, da die Einnahmen aus der Kirchensteuer zurückgehen. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart hat drastische Kürzungen angekündigt und wird die Zuweisungen an die Pfarreien bis 2026 auf 167 Millionen Euro reduzieren – ein Rückgang gegenüber den bisherigen 183 Millionen Euro. Auch andere Bistümer wie Trier und Köln ergreifen Sparmaßnahmen, um schrumpfende Haushalte und steigende Ausgaben zu bewältigen.
Besonders stark betroffen vom Rückgang der Kirchensteuereinnahmen ist das Bistum Rottenburg-Stuttgart. Ursprünglich hatten Verantwortliche mit stabilen Erträgen zwischen 280 und 290 Millionen Euro gerechnet, doch die aktuellen Prognosen zeigen einen weiteren Rückgang auf 246 Millionen Euro bis 2027. Ohne Gegenmaßnahmen drohen dem Bistum ab 2027 massive Einschnitte.
Um die Finanzlücke zu schließen, hat das Bistum das Projekt 'Kirche der Zukunft' gestartet. Der Plan sieht vor, den Gebäudebestand um 30 Prozent zu verringern, digitale Angebote auszubauen und möglicherweise über 1.000 Pfarreien zu nur noch 50 bis 80 größeren Einheiten zusammenzulegen. Zudem sollen die Sach- und Personalkosten bis 2030 um 10 Prozent gesenkt werden.
Gleichzeitig greift das Bistum stark auf seine Rücklagen zurück, wobei die Entnahmen bereits bei rund 40 Millionen Euro liegen. Auch andere Bistümer handeln ähnlich: Trier plant, ein Defizit von 5,7 Millionen Euro im Jahr 2026 auszugleichen, während Köln bis 2030 wirtschaftliche Rahmenpläne umsetzt. Das Hamburger Projekt 'SeSam' zielt ebenfalls darauf ab, sich durch aktive Umstrukturierung an schrumpfende Ressourcen anzupassen.
Der finanzielle Druck zwingt die deutschen Bistümer zu tiefgreifenden Reformen und Ausgabenkürzungen. Die Maßnahmen in Rottenburg-Stuttgart – von Pfarrzusammenlegungen bis zum Digitalausbau – spiegeln die allgemeinen Bemühungen wider, die langfristige Stabilität zu sichern. Ohne solche Schritte sind in den kommenden Jahren weitere Kürzungen und Einschränkungen bei den Angeboten wahrscheinlich.