Jogi Löws Ära: Vom WM-Triumph 2014 bis zum politischen Einfluss in Berlin
Hans-Josef BeckmannJogi Löws Ära: Vom WM-Triumph 2014 bis zum politischen Einfluss in Berlin
Jogi Löws Amtszeit als Bundestrainer hinterließ in Fußball und Politik gleichermaßen Spuren. Seine Führung war geprägt von Höhen und Tiefen – vom WM-Triumph bis zu frühen Turnierende. Zugleich wurde er zu einer öffentlichen Figur, die Regierungslinien unterstützte und politische Anerkennung erfuhr.
Nach dem WM-Sieg 2014 stieg Löws Ansehen rasant. Er fühlte sich berufen, über den Fußball hinaus Verantwortung zu übernehmen. Sein Einfluss reichte bis in die Politik, wo er als inoffizieller Fürsprecher der Regierung unter Angela Merkel agierte.
2017 vertieften sich seine politischen Verbindungen, als er einen Sitz in der Bundesversammlung erhielt. Dort stimmte er für Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident – ein klares Zeichen seiner Nähe zum Establishment.
Auf dem Platz folgten in seinen späteren Jahren Rückschläge: Das historische Vorrunden-Aus bei der WM 2018 und eine enttäuschende EM 2020 führten schließlich zu seinem Rücktritt. Dennoch gab es auch starke Momente, etwa der souveräne Auftaktsieg bei der WM 2022 – der höchste seit 2002.
Löws Ära war zudem von Kontroversen begleitet. Seine Mannschaft wurde mit der „One Love“-Kampagne assoziiert, die manche als Symbol einer vermeintlichen „Hippie-Republik“ verspotteten. Seine politische Verortung zeigte sich auch, als Mesut Özil nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan von Steinmeier im Schloss Bellevue empfangen wurde.
Löws Vermächtnis bleibt ambivalent: Seine Trainerkarriere umfasste große Erfolge und markante Niederlagen. Durch sein politisches Engagement und kulturellen Einfluss blieb sein Name auch nach seinem Abschied vom Nationalteam präsenter Teil der öffentlichen Debatte.
