Fürther Jugendrat fordert Hilfe statt Strafe bei Armutskriminalität und Gewalt
Hans-Josef BeckmannFürther Jugendrat fordert Hilfe statt Strafe bei Armutskriminalität und Gewalt
Der Fürther Jugendrat hat für den 1. Juli 2023 einen Antrag mit dem Titel „Hilfe statt Strafe – Gemeinsam gegen Gewalt“ zur Diskussion eingebracht. Die Vorlage plädiert dafür, Menschen, die aus Armut Straftaten begehen, mit Unterstützung statt mit Bestrafung zu begegnen. Zudem thematisiert sie weitergehende Probleme, darunter sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt.
Der Antrag entstand im Zuge von Debatten über Schwarzfahren im Öffentlichen Nahverkehr. Ursprünglich hatte der Jugendrat gefordert, solche Fälle nicht an die Behörden zu melden. Später einigte man sich darauf, von Strafverfolgung abzusehen, wenn Personen aus Armut ohne Ticket fahren.
Der Rat schlägt vor, die aufsuchende Streetwork und mobile Jugendarbeit auszubauen, um Armut an der Wurzel zu bekämpfen. Alexander Bohn, der Vorsitzende, betonte die Bedeutung von niedrigschwelligen Hilfsangeboten für gefährdete Jugendliche. Seine Stellvertreterin Julia Dierauf argumentierte, dass gezielte Unterstützung denen angeboten werden solle, die aus Not heraus straffällig werden.
Über armutsbedingte Kriminalität hinaus fordert der Antrag, die Jugendhilfe stärker in Strafverfahren gegen junge Täter einzubinden. Zudem setzt er sich für eine zentrale Meldestelle für Opfer sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt ein. Clemens Trompke, Mitglied im Vorstand, schlug vor, ein Meldesystem zunächst ohne zusätzliches Personal zu testen, um den Bedarf zu ermitteln.
Der Antrag wird am 1. Juli 2023 offiziell beraten. Sollte er angenommen werden, könnte er das Vorgehen der lokalen Behörden bei armutsbedingten Straftaten und Gewalt grundlegend verändern. Der Jugendrat strebt an, Bestrafung durch strukturierte Hilfsangebote für Bedürftige zu ersetzen.
