25 January 2026, 04:35

Friedensdemo in Reutlingen polarisiert: 300 Menschen fordern Nähe zu Russland

Eine Gruppe von Menschen steht auf der Straße und hält ein Transparent mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen den Rechtsruck in Europa" mit Straßenlaternen, Strommasten, Stromkabeln, Gebäuden und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Friedensdemo in Reutlingen polarisiert: 300 Menschen fordern Nähe zu Russland

Rund 300 Menschen zogen am Samstag bei einer Demonstration für Frieden, Freiheit und engere Beziehungen zu Russland durch Reutlingen. Die von dem Aktivisten Kevin Brügmann organisierte Kundgebung richtete sich zudem gegen digitale Überwachung und Medienbeschränkungen. Eine starke Polizeipräsenz, darunter auch berittene Einheiten, überwachte die Veranstaltung, nachdem es bei früheren Gelegenheiten zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen war.

Bei der Demonstration wurden deutsche und Friedensflaggen gezeigt, dazu gab es Parolen wie "Ein friedliches Europa mit Russland" und Forderungen nach der Beibehaltung von Bargeldzahlungen. Redner kritisierten staatliche Überwachungsmaßnahmen und warfen Politikern Heuchelei und Provokation vor. Im Hintergrund sorgten schweizerische Unterstützer – die sogenannten Freiheitstrychler – mit dem Läuten von Kuhglocken für eine geräuschvolle Kulisse.

Brügmann, der zuvor bereits Proteste gegen Corona-Maßnahmen angeführt hatte, hatte sich nach der zweiten Reutlinger Kundgebung von der Initiative Gemeinsam für Deutschland distanziert. Der Bruch erfolgte aufgrund von Bedenken hinsichtlich rechtsextremer Einflüsse innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig versammelten sich etwa 70 Gegendemonstranten unter dem Motto "Ein buntes Reutlingen". Unter ihnen befanden sich Mitglieder der Linken, der SPD, der Grünen, der Bewegung Omas gegen rechts sowie des Hilfsvereins Drei Musketiere. Einige kritisierten die jüngsten Äußerungen von Kanzler Merz zur Migration, andere lehnten die politische Ausrichtung der Hauptkundgebung ab.

Die Veranstaltung verlief unter strenger Polizeiaufsicht, ohne dass es zu größeren Störungen kam. Brügmanns Protest erhielt regionale und internationale Unterstützung, stieß aber auch auf lokale Ablehnung. Die Behörden hatten sich auf mögliche Blockaden vorbereitet, nachdem es bei früheren Begegnungen der beiden Lager zu Konflikten gekommen war.