Fachkonferenz zeigt: Automobilbranche kämpft mit regulatorischem Chaos und Nachhaltigkeitslücken
Brigitta SchülerFachkonferenz zeigt: Automobilbranche kämpft mit regulatorischem Chaos und Nachhaltigkeitslücken
15. Fachkonferenz zu Materialvorschriften und Nachhaltigkeit in Stuttgart beendet
Letzte Woche ging in Stuttgart die 15. Auflage der Fachkonferenz Materialvorschriften und Nachhaltigkeit zu Ende. Über 200 Branchenexperten kamen zusammen, um die jüngsten regulatorischen Veränderungen und Nachhaltigkeitsherausforderungen in der automobilen Lieferkette zu erörtern. Im Mittelpunkt standen neue Gesetzesvorhaben, die Erfassung des CO₂-Fußabdrucks sowie die Zukunft der Rohstoffbeschaffung.
Ein zentrales Thema war die anstehende Überarbeitung der Altfahrzeug-Richtlinie (ELV), die für Juni 2023 geplant ist. Die Novelle soll unter anderem das Problem verschollener Fahrzeuge angehen, den Geltungsbereich der Vorschriften erweitern und strengere Vorgaben für den Einsatz von Recyclingmaterialien einführen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Kritische-Rohstoffe-Gesetz (CRMA), das eine stabile Versorgung mit essenziellen Ressourcen sichern soll – besonders vor dem Hintergrund des stark steigenden Lithiumbedarfs für EU-Batterien bis 2030 und 2050.
Diskutiert wurde auch das geplante PFAS-Verbot, für das ein zweistufiges Konsultationsverfahren vorgesehen ist. Gleichzeitig rückte die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) in den Fokus: zwar kostspielig, aber unverzichtbar – so die einhellige Meinung. Allerdings brauche es klare Zeitpläne, um Betriebsstörungen zu vermeiden. Experten betonten zudem die Dringlichkeit einer einheitlichen Methodik zur Berechnung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks (PCF). Uneinheitliche Ansätze könnten den Fortschritt sonst ausbremsen.
Als größte Hindernisse wurden regulatorische Verzögerungen und unklare Vorgaben genannt. Viele forderten eine bessere Abstimmung zwischen chemischen Beschränkungen und übergeordneten Nachhaltigkeitszielen, um Verwirrung und Zielkonflikte für Hersteller zu verringern.
Die Konferenz unterstrich den Appell der Automobilbranche nach klareren Regeln und abgestimmten Maßnahmen. Als entscheidende nächste Schritte gelten eine harmonisierte CO₂-Bilanzierungsmethode, verlässliche Politikzeitpläne und gesicherte Rohstofflieferketten. Ohne diese drohen der Branche Ineffizienzen und steigende Kosten – gerade angesichts wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen.






