ERP-Systeme: Wenn Software den täglichen Arbeitsalltag bestimmt
Gerfried ThiesERP-Systeme: Wenn Software den täglichen Arbeitsalltag bestimmt
ERP-Systeme: Wenn Software den Arbeitsalltag bestimmt
Teaser: ERP-Software plant Schichten, überwacht jeden Arbeitsschritt und verhindert den Abbau von Überstunden – die Digitalisierung verändert Fabriken radikal.
26. November 2025
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Fertigung – von der Fehlererkennung bis zur vorausschauenden Wartung. Doch viele kleine und mittlere Unternehmen tun sich schwer mit der Einführung dieser Technologien. Hindernisse sind unter anderem fehlende KI-Kenntnisse, veraltete Strukturen und Schwierigkeiten bei der effizienten Datenverwaltung.
Die Vision von Industrie 4.0 sieht intelligente Fabriken vor, in denen Maschinen Produktionsentscheidungen eigenständig treffen. KI ersetzt bereits heute Routineaufgaben in Bereichen wie Verwaltung, Kundenservice und einfacher Programmierung. Tools wie GitHub Copilot generieren mittlerweile Code und reduzieren so den Bedarf an Junior-Entwicklern. In der Qualitätssicherung erkennen KI-gestützte Kameras Defekte präziser als menschliche Prüfer.
Auch Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) verändern die Arbeitsweise von Unternehmen grundlegend. Diese Plattformen optimieren Kernprozesse – von der Logistik bis zur Personalplanung – und ermöglichen eine Echtzeit-Überwachung. Einige Betriebe profitieren bereits: Die Dachkeramik Meyer-Holsen führte im Dezember 2025 PSIpenta ERP ein, um Arbeitsabläufe zu optimieren. BEPRO Blech und Profilstahl setzt auf unitop ERP für mehr Produktivität und Transparenz. Die ARTS Group reduzierte durch den Wechsel zu Odoo ERP manuelle HR- und Projektarbeiten um 30 Prozent und beschleunigte so Einstellungen und digitale Kommunikation. BAAK verbesserte mit unitop die Logistik, und GEFRO optimierte Prozesse mithilfe von VS/4 ERP, um das Wachstum zu unterstützen.
Für die Beschäftigten bringt der Wandel gemischte Erfahrungen. ERP-Systeme reduzieren repetitive Tätigkeiten und schaffen Freiraum für Kernaufgaben – gleichzeitig führen sie aber zu einer „Arbeit auf Abruf“-Mentalität. Manche Mitarbeiter müssen längere Arbeitszeiten oder ständige Erreichbarkeit in Kauf nehmen, während Arbeitszeitkonten oft kaum Raum für echte Freizeit lassen. Trotz gesetzlicher Vorgaben zur Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz in Deutschland verzichtet jedes dritte Unternehmen auf solche Prüfungen – potenzielle Gesundheitsrisiken bleiben so unberücksichtigt.
KI und ERP-Systeme steigern die Effizienz in der Fertigung, doch die Verbreitung verläuft ungleich. Kleinere Betriebe kämpfen mit Fachkräftemangel und Datenproblemen, während Mitarbeiter sowohl Entlastung als auch neuen Druck erleben. Langfristig wird sich zeigen, wie Unternehmen technologische Fortschritte mit dem Wohlbefinden ihrer Belegschaft in Einklang bringen – und welche Auswirkungen das auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen hat.