Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – und löst damit eine Debatte aus
Gerd BuchholzErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – und löst damit eine Debatte aus
Eine deutsche Stadt hat mit einem Verbot klassischer Partyschlager auf ihrem jährlichen Volksfest für Aufsehen gesorgt. Die Verwaltung von Erlangen setzte bekannte Partyhits auf eine Liste „sexistischer“ Lieder und rief Gastwirte dazu auf, diese nicht mehr zu spielen. Der Schritt erfolgte nach einer Beschwerde einer Frau, die die Musik mit unerwünschtem Verhalten bei der letzten Ausgabe des Festes in Verbindung brachte.
Die Einschränkungen gehen auf die Meldung einer Festbesucherin zurück, die angab, von aggressiven Männern „begrapscht“ worden zu sein und sich durch die gespielten Lieder unwohl gefühlt zu haben. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, die Texte beliebter Partyschlager. Ihre Analyse führte zu einer schwarzen Liste, auf der sich unter anderem Skandal im Sperrbezirk – eine satirische Abrechnung mit dem Münchner Prostitutionsverbot – sowie Peter Wackels Joana mit der Zeile Du geile Sau wiederfinden.
Der Beschluss wurde 2021 vom Erlanger Stadtrat mit Unterstützung von CSU, Linken und SPD verabschiedet. Die Resolution zielte auf Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Bergkirchweih ab. Doch die Maßnahme stößt auf scharfe Kritik. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Zensur mit DDR-Methoden und verwies darauf, dass selbst das SED-Regime nie die Änderung seiner Songtexte gefordert habe.
Gastwirte reagieren skeptisch auf den Index „frauenfeindlicher“ Werke. Währenddessen äußerte Wackel, dessen Lied auf der Liste steht, dass die neuen Regeln erklären könnten, warum viele Künstler „null Bock“ hätten, in Deutschland aufzutreten. Kritiker spotten über die Haltung der Stadt und titelten spöttisch: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“
Die schwarze Liste bleibt für das diesjährige Bergkirchweih in Kraft, wobei die Behörden die Lokale auffordern, auf die verbotenen Titel zu verzichten. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und dem Bemühen, anstößige Inhalte bei öffentlichen Veranstaltungen einzudämmen. Nun müssen Festveranstalter und Musiker die Auflagen umsetzen – während das Fest bevorsteht.






