Erbschaftsteuer-Streit spaltet Koalition: Söder gegen Merz in Machtproben
Gerd BuchholzErbschaftsteuer-Streit spaltet Koalition: Söder gegen Merz in Machtproben
In der deutschen Regierungskoalition haben sich die Spannungen wegen der Erbschaftsteuer-Reform zugespitzt. Markus Söder, Vorsitzender der CSU, kritisierte die Haltung der SPD und zeigte sich unnachgiebig in der Sache. Bundeskanzler Friedrich Merz hingegen rief zu einer kooperativeren Haltung zwischen den Koalitionspartnern auf.
Der Streit entzündete sich nach Jahren der Untätigkeit in der Erbschaftsteuerfrage unter der früheren Ampel-Koalition, die Ende 2025 ohne Reformen aus dem Amt schied. Seither fordern die Gewerkschaftsvorsitzende Yasmin Fahimi und Wirtschaftsforscher Änderungen, um Schlupflöcher zu schließen, durch die dem Staat Milliarden an Steuereinnahmen entgehen.
Die Auseinandersetzung eskalierte, nachdem Söder betont hatte, die Union – bestehend aus CDU und CSU – habe in der aktuellen Koalition mehr Gewicht als die SPD. Einen Kompromiss bei der Erbschaftsteuer lehnte er ab und beharrte darauf, dass die Position seiner Partei Vorrang haben müsse. Zudem verlangte er klarere Vereinbarungen zur inhaltlichen Ausrichtung der Koalition und warnte, vage Zusagen reichen nicht aus.
Kanzler Merz reagierte mit dem Appell, das Muster aus Vorschlägen und Ablehnungen zu überwinden. Er unterstrich die Notwendigkeit einer konstruktiveren Zusammenarbeit, um eine Blockade zu vermeiden. Seine Äußerungen folgten auf Söders Beharren, dass die Union und nicht die SPD die Koalition führe.
Die Debatte um die Erbschaftsteuer-Reform schwelt bereits seit der untätigen Ampel-Koalition (2021–2025). In dieser Zeit kosteten die Befreiungen für Betriebsvermögen den Staat laut DGB-Chefin Yasmin Fahimi schätzungsweise 79 Milliarden Euro. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlug vor, den steuerfreien Freibetrag für nahe Angehörige auf eine Million Euro anzuheben. Dadurch würde sich die Zahl der Steuerpflichtigen mehr als halbieren, während gleichzeitig jährlich 2,3 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen generiert würden.
Fahimis Forderungen nach Reformen erhöhen den Druck auf die aktuelle Regierung, die von Kritikern als ungerechtfertigte Vorteile für wohlhabende Erben bezeichneten Regelungen zu ändern. Der DIW-Plan zielt darauf ab, das System zu vereinfachen und gleichzeitig höhere Einnahmen zu sichern. Bisher blockieren jedoch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Union und SPD jeden Fortschritt.
Der Stillstand lässt die Erbschaftsteuer-Reform in der Schwebe – eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Söders kompromisslose Haltung und Merz' Aufruf zur Zusammenarbeit verdeutlichen die bevorstehenden Herausforderungen. Ohne Einigung könnte das Thema weiter ungelöst bleiben und die seit Jahren andauernde politische Blockade verlängern.






