Entwicklungshilfe-Reform: NGOs fordern mehr Mitsprache und weniger Bürokratie
Hans-Josef BeckmannEntwicklungshilfe-Reform: NGOs fordern mehr Mitsprache und weniger Bürokratie
Mathias Mogge und Joshua Hofert, die Generalsekretäre von Welthungerhilfe und Terre des Hommes, stellten am Mittwoch ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik vor. Dabei wiesen sie auf wachsende Herausforderungen für Hilfsorganisationen angesichts eskalierender Krisen, Kriege und der Folgen des Klimawandels hin.
Die beiden Spitzenvertreter begrüßten die Pläne der Bundesregierung zur Reform der Entwicklungszusammenarbeit grundsätzlich. Allerdings kritisierten sie, dass den Vorschlägen eine klare und kohärente Strategie fehle. Mogge betonte, die Priorität müsse auf der Verbesserung der Qualität der Hilfe liegen – nicht auf der Steigerung ihres Umfangs. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Freiräume für zivilgesellschaftliche Gruppen.
Hofert machte deutlich, dass die Reform nicht allein von administrativen Entscheidungen aus Berlin vorangetrieben werden dürfe. Stattdessen müssten von Anfang an die Partnerländer, die lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen aktiv einbezogen werden. Beide Organisationen warnten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann funktionieren könne, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiere. Sie verwiesen zudem auf die Spannung zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerländer.
Die NGOs äußerten auch Besorgnis über die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe. In ihrem gemeinsamen Bericht hießen sie, dieser Trend gefährde die Grundsätze der Neutralität, Unabhängigkeit und bedarfsorientierten Unterstützung. Sie forderten eine deutliche Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe – von derzeit einer Milliarde Euro auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Bundeshaushalt. Mogge ergänzte, dass mehr Ressourcen in die Prävention fließen müssten und nicht nur in die Krisenbewältigung.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde aufgefordert, die Zivilgesellschaft – sowohl in Deutschland als auch in den Partnerländern – in die Gestaltung der Reformen einzubinden. Die Organisationen betonten, die Entwicklungspolitik müsse sich den wachsenden Druckfaktoren anpassen, ohne ihre Kernwerte aufzugeben. Ihre Analyse unterstreicht, dass sowohl finanzielle als auch strukturelle Veränderungen nötig sind, um den globalen Herausforderungen zu begegnen.
