19 December 2025, 16:15

Die Wahrheit

Ein Mann singt in ein Mikrofon in der Mitte einer Gruppe von Menschen, mit Lichtern im Hintergrund.

Die Wahrheit

Die Wahrheit

Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten wird in Bayern noch immer das Gedicht „Heilige Nacht“ des nach wie vor beliebten Antisemiten Ludwig Thoma rezitiert.

Ludwig Thomass antisemitisches Gedicht „Heilige Nacht“ ist in Bayern trotz seines umstrittenen Inhalts eine fest verankerte Weihnachtstradition. Das Werk, das den fiktiven Kampf von Josef und Maria um eine Herberge in Bethlehem schildert, wird in der Region noch immer weit verbreitet vorgetragen. Gleichzeitig sorgen Debatten über nach dem Schriftsteller benannte Straßen in Städten wie München für Spannungen.

Thomass Gedicht enthält Zeilen wie „Im Wald is so staad / Alle Weg san vawaht / Alle Weg san vaschniebn / Is koa Steigl net bliebn“ und beschreibt eine feindselige Welt, in der kein Schutz gewährt wird. Doch nicht nur in seiner Lyrik, auch in seinen Hetzartikeln für den „Miesbacher Anzeiger“ zeigte er sich als einer der radikalsten Antisemiten seiner Zeit. Dennoch führt der Schauspieler Enrico de Paruta das Gedicht „Heilige Nacht“ seit über 25 Jahren mit ausverkauften Häusern auf und hält die Tradition damit am Leben.

Versuche, Straßen mit Thomass Namen umzubenennen, stoßen auf massiven Widerstand. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnte entsprechende Vorschläge ab – ein Spiegel der breiten öffentlichen Ablehnung. Lokale Bürgerinitiativen, Historiker:innen und linke Aktivist:innen, darunter Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen und Studierendenvertretungen, drängen auf Veränderungen, doch Erfolge bleiben selten. Da noch immer zahlreiche Schulen und Straßen seinen Namen tragen, haben Eltern oft keine andere Wahl, als ihre Kinder in Einrichtungen zu schicken, die Thoma ehren. In München und anderen Kommunen gab es zwar Diskussionen, doch konkrete Ergebnisse blieben aus. Zwar unterstützen auch Kultureinrichtungen und einige Stadträt:innen die Forderungen, doch die meisten Umbenennungsinitiativen scheitern am lokalen Widerstand.

Die anhaltende Beliebtheit des Gedichts steht in krassem Gegensatz zur wachsenden Kritik an Thomass Erbe. Während Straßen und Schulen weiterhin seinen Namen tragen, ziehen die Aufführungen von „Heilige Nacht“ jedes Weihnachten ein großes Publikum an. Vorerst sorgt der Widerstand gegen Veränderungen dafür, dass der umstrittene Schriftsteller fest in der bayerischen Öffentlichkeit verankert bleibt.