Die Linke setzt in Baden-Württemberg auf Frauenpower und junge Wähler
Gerfried ThiesDie Linke setzt in Baden-Württemberg auf Frauenpower und junge Wähler
Die Linke in Baden-Württemberg startet mit einer mutigen Offensive in den Landtagswahlkampf. Mit einem jungen, rein weiblichen Spitzen-Team will die Partei vor allem Wähler in Universitätsstädten gewinnen. Aktuelle Wahlumfragen sehen sie stabil bei acht Prozent – doch die Ambitionen reichen weiter.
Die Strategie folgt einer überraschenden Wiederbelebung der Partei, die nicht zuletzt durch Heidi Reichinneks leidenschaftliche Rede im vergangenen Jahr ausgelöst wurde. Doch bereits jetzt zeigen sich interne Spannungen: Eine Kandidatin wurde abrupt aus dem Rennen genommen, einer anderen blieb bei einer zentralen Veranstaltung kaum Redezeit.
Drei junge Frauen prägen den Wahlkampf der Linken in Baden-Württemberg: Mersedeh Ghazaei (28), Kim Sophie Bohnen (26) und Amelie Vollmer (22). Ihre Aufstellung ist ein klares Signal an die grün-affinen Universitätsstädte wie Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Die Partei hofft, hier Stimmen aus dem linksgerichteten und umweltbewussten Wählerkreis zu gewinnen.
Seit dem Frühjahr, als die Wahlumfragen die Linke erstmals bei acht Prozent sahen, ist das Selbstvertrauen gewachsen. Einige in der Partei träumen bereits von einem zweistelligen Ergebnis. Dieser Optimismus speist sich aus einer Phase gestiegener Sichtbarkeit – ausgelöst durch Reichinneks viral gegangene "Firewall-Tirade", die neues Interesse an der Bewegung weckte.
Doch der Wahlkampf verläuft nicht ohne Reibungen. Ellena Schumacher Koelsch wurde von der Landesführung kurzfristig aus dem Rennen genommen und zog sich später ganz zurück. Bei einer jüngeren Veranstaltung erhielt Spitzenkandidatin Ghazaei nur wenig Redezeit. Solche Vorgänge deuten auf interne Richtungsstreitigkeiten hin.
Inhaltlich zeigt die Linke eine gemischte Haltung: Einerseits unterstützte sie die CDU bei Justizpersonal-Entscheidungen und Rentenreformen, andererseits kritisierte sie deren geplante Kürzungen im Sozialbereich scharf. Mit über 10.000 Mitgliedern im Land – mehr als die FDP – will die Partei nun ihre Basis in parlamentarische Sitze ummunzen.
Der Wahlkampf der Linken setzt auf Jugend, weibliche Führung und den Fokus auf Universitätsstädte. Die Wahlumfrageergebnisse deuten auf echte Regierungschancen hin, doch die internen Spannungen bleiben. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Strategie das von manchen erhoffte zweistellige Ergebnis bringen kann.