Die älteste spielbare Orgel der Welt erklingt in Östönnen mit 601 Jahren Geschichte
Hans-Josef BeckmannDie älteste spielbare Orgel der Welt erklingt in Östönnen mit 601 Jahren Geschichte
Die St.-Andreas-Kirche in Östönnen bei Soest beherbergt die älteste spielbare Orgel der Welt. Mit einer Geschichte von über sechs Jahrhunderten bietet das Instrument einen seltenen Einblick in die Musik des späten Mittelalters. Ihr Erhalt verdankt es ironischerweise schlicht dem Fehlen finanzieller Mittel für Modernisierungen über die Jahre.
Die Wurzeln der Orgel reichen bis etwa 1425 zurück, wobei einige Holzteile wie die Windlade sogar noch älter sind – sie entstanden um 1410. Ihre filigranen Schnitzereien und die historische Handwerkskunst haben ihr den Ruf einer 'orgelhistorischen Kostbarkeit' eingebracht. 1722 wurde das Instrument günstig von einer Nachbargemeinde in Soest erworben und später in Velbert-Langenberg installiert.
Der Klang der Orgel wird vom Organisten Leon Berben als 'unglaublich intensiv' und 'umarmend' beschrieben. Ihrer Meinung nach verdankt sie ihren einzigartigen Charakter ihrem Alter und dem unberührten Originalzustand. Um sie zu bewahren, rät Berben, die Orgel unverändert zu lassen – nur so könne ihr Fortbestand für künftige Generationen gesichert werden. Heute veranstaltet die Gemeinde von St. Andreas regelmäßig Konzerte, um den außergewöhnlichen Klang des Instruments einem Publikum zugänglich zu machen. Diese Aufführungen ermöglichen es Zuhörern, ein Stück mittelalterliche Musikgeschichte hautnah zu erleben.
Mit 601 Jahren ist die Orgel ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Handwerkskunst. Durch ihre fortwährende Nutzung in Konzerten bleibt ihr unverwechselbarer Klang lebendig. Gerade der Verzicht auf moderne Veränderungen hat sich paradoxerweise als ihr bester Schutz erwiesen.