12 February 2026, 17:07

Christina Grom bricht 200-jährige Männertradition bei 'Mainz bleibt Mainz'

Ein Plakat, das ein Festival in München ankündigt und ein Gemälde einer Frau mit einem menschlichen Gesicht zeigt, umgeben von Menschen und Bäumen, mit Text darauf.

Frauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Christina Grom bricht 200-jährige Männertradition bei 'Mainz bleibt Mainz'

Zum ersten Mal seit fast 200 Jahren hat eine Frau die Leitung des Protokolls bei der Mainzer Fastnachtsitzung 'Mainz bleibt Mainz' übernommen. Christina Grom schrieb Geschichte als erste weibliche Spielleiterin der Veranstaltung während der 71. Ausgabe im Kurfürstlichen Schloss. Die traditionsreiche Karnevalsrevue, einst eine reine Männerdomäne, spiegelt damit den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Gleichberechtigung wider.

Der Abend verband bewährte Bräuche mit beißender politischer Satire. Groms Amtsantritt ging einher mit spitzen Seitenhieben gegen Prominente wie Bundeskanzler Friedrich Merz und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der langjährige Moderator Andreas Schmitt beendete die Show derweil in seiner gewohnten Rolle als 'Hoher Altardiener' des Mainzer Doms.

Die 'Mainz bleibt Mainz'-Sitzung ist seit jeher ein Höhepunkt des Mainzer Karnevals. Fast zwei Jahrhundert lang blieb die Protokollführung ausschließlich Männern vorbehalten - bis Christina Grom diese Tradition durchbrach. Ihr Debüt bei der 71. Ausgabe markiert einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit und zeigt, wie selbst ein Fest mit konservativen Wurzeln moderner wird.

Grom scheute dabei auch vor Kontroversen nicht zurück. Ihre satirischen Spitzen richteten sich gegen Kanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Donald Trump. Ein besonders einprägsamer Witz unterstellte, der Himmel solle die Gutenberg-Bibel nutzen, um Trumps Ego 'luftleer zu pumpen'. Das Publikum im ausverkauften Kurfürstlichen Schloss reagierte mit Gelächter und Applaus.

Trotz des historischen Wandels blieb die Revue ihren Ursprüngen treu. Jürgen Wiesmann gab zum 25. Mal den beliebten Karnevalscharakter Ernst Lustig, während Andreas Schmitt - abgesehen von einer kurzen gesundheitsbedingten Abwesenheit 2025 - wie gewohnt durch den Abend führte. Sein Abschluss als 'Hoher Altardiener' verlieh der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.

Sogar der Papst blieb von der spielerischen Schärfe des Abends nicht verschont. Schmitt übermittelte humorvolle Glückwünsche an Papst Leo XIV. und scherzte, eines Tages könne vielleicht eine Papst Ulrike den 'Urbi et Orbi'-Segen sprechen. Die Bemerkung unterstrich den typischen Mix aus Respektlosigkeit und Tradition, der die Revue seit Generationen prägt.

Trotz aller Neuerungen bewahrte die Sitzung ihren Kern. Die politische Satire blieb messerscharf, und der unverkennbare Karnevalshumor blieb erhalten. Doch Groms Führungsetappe setzt ein Zeichen: Selbst die tief verwurzelten Bräuche können sich weiterentwickeln.

Die 71. 'Mainz bleibt Mainz'-Sitzung wird als diejenige in Erinnerung bleiben, die erstmals eine Frau an der Spitze des Protokolls sah - und die mit unerbittlichem politischen Witz glänzte. Christina Groms Rolle deutet auf einen nachhaltigen Wandel in einem Fest hin, das einst der Gleichberechtigung widerstand. Gleichzeitig bestätigte die Veranstaltung ihren Ruf als Plattform der Satire, auf der keine öffentliche Persönlichkeit - vom Kanzler bis zum Papst - sicher ist.

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Mit Jürgen Wiesmanns 25. Auftritt als Ernst Lustig und Andreas Schmitts zeremoniellen Abschied ehrte die Revue ihre Vergangenheit, während sie das Neue willkommen hieß. Der Erfolg des Abends zeigt: Tradition und Fortschritt können Hand in Hand gehen - selbst bei einem Karneval mit fast 200 Jahren Geschichte.