Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg: Zwischen Rekordbeteiligung und Kandidatennotstand
Hans-Josef BeckmannBürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg: Zwischen Rekordbeteiligung und Kandidatennotstand
Zum ersten Mal hat das Statistische Landesamt Baden-Württemberg Daten zu Bürgermeisterwahlen im gesamten Land ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen auffällige Unterschiede bei der Wählerbeteiligung und der Anzahl der Kandidaten. Während einige Gemeinden eine hohe Wahlbeteiligung verzeichneten, hatten andere Mühe, auch nur einen einzigen Bewerber zu finden.
Bei den jüngsten Wahlen traten insgesamt 3.159 Kandidaten für das Bürgermeisteramt an. Im Durchschnitt beworben sich jedoch nur 2,9 Personen pro Kommune. In fast einem Drittel der Fälle – genau 27,3 % – stand lediglich ein Name auf dem Stimmzettel.
In manchen Gemeinden bewarb sich überhaupt niemand. So gab es in Tunau und Schönenberg, beide im Landkreis Lörrach gelegen, im September 2017 bzw. Januar 2018 keine Kandidaten. Wo Wahlen stattfanden, schwankte die Beteiligung stark. Die kleinste Gemeinde, Bollenn mit nur 96 Einwohnern, verzeichnete mit 89,9 % die höchste Wahlbeteiligung. Nagold hingegen, wo 23.829 Menschen leben, kam auf die niedrigste Quote von 16,3 %.
Bei den jüngsten Wahlen ohne Gegenkandidaten erhielten die einzigen Bewerber oft überwältigende Unterstützung. Florian Glock gewann die Bürgermeisterwahl in Magstadt am 8. Dezember 2025 mit einer Zustimmung von 97,5 %. Delakos sicherte sich in Holzgerlingen am 28. November 2025 mit 97,38 % der Stimmen die Wiederwahl. Selbst in Rudersberg, wo nur ein Kandidat antrat, wurden 50 Stimmen gegen ihn abgegeben. Insgesamt lag die durchschnittliche Wahlbeteiligung im Land bei 52,6 %.
Die Daten spiegeln sowohl Licht als auch Schatten der lokalen Demokratie wider. Einige Gemeinden zeigen eine starke bürgerliche Teilhabe, während andere Schwierigkeiten haben, Kandidaten oder Wähler zu mobilisieren. Die Ergebnisse geben ein klares Bild davon, wie Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg derzeit funktionieren.