Bundesregierung plant staatliche Wohnungsbaugesellschaft gegen Wohnungsmangel
Hans-Josef BeckmannBundesregierung plant staatliche Wohnungsbaugesellschaft gegen Wohnungsmangel
Bundesbauministerin Verena Hubertz hat Pläne für die Gründung einer neuen bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in Deutschland vorgestellt. Das Vorhaben zielt darauf ab, den landesweiten Wohnungsmangel durch einen Schub beim Bau neuer Wohnungen und die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum zu bekämpfen. Hubertz bezeichnete die Initiative als möglichen "Game-Changer" für den Sektor.
Allerdings erfordere die Einrichtung einer solchen Gesellschaft Änderungen am Grundgesetz, präzisierte sie.
Die Idee eines staatlich unterstützten Wohnungsbauunternehmens ist nicht neu. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte bereits den Aufbau großangelegter öffentlicher Wohnungsbauprojekte gefordert und argumentiert, ein vom Staat betriebener Entwickler könne Bauvorhaben deutlich beschleunigen.
Hubertz' Vorschlag knüpft an jahrelange politische Debatten an. Seit 2021 hat sich die Ampel-Koalition verpflichtet, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden, Wohnprogramme für Studierende und junge Menschen auf den Weg zu bringen sowie das "Housing First"-Konzept zu übernehmen. Im Koalitionsvertrag von 2025 wurden zudem der Ausbau des Wohnungsbaus, die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und die Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen für Jugendliche betont. Frühere Initiativen wie der Berliner GStU-Plan 2026 führten etwa eine zentrale Steuerung für Obdachlosenunterkünfte ein, setzten Qualitätsstandards und erfassten Daten zu Unterbringungsmöglichkeiten systematisch.
Doch Hubertz räumte ein, die SPD stehe in der Kritik, notwendige Reformen verzögert zu haben. Sie unterstrich die Dringlichkeit schnellerer politischer Maßnahmen und betonte, die Partei müsse das Versprechen sozialer Aufstiegsmöglichkeiten wiederherstellen – damit hart arbeitende Menschen sich eigenes Wohneigentum leisten können. Neben der geplanten Wohnungsbaugesellschaft werden auch umfassendere Reformen im Wohnungssektor diskutiert; die Gespräche dazu sollen im Laufe des Sommers fortgesetzt werden.
Darüber hinaus hob Hubertz die Bedeutung einer langfristigen "Zukunftsvision" für die SPD hervor. Die Partei müsse über wahrgenommene Hindernisse hinauswachsen und greifbare Fortschritte bei der Wohnungsbezahlbarkeit vorweisen.
Die geplante bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft würde einen grundlegenden Wandel in der deutschen Wohnungsbaupolitik einläuten. Sollte das Vorhaben genehmigt werden, wären zunächst Verfassungsänderungen erforderlich, bevor es in Kraft treten könnte. Unterdessen werden die Diskussionen über weitergehende Reformen in den kommenden Monaten fortgeführt – der Druck auf konkrete Lösungen für die Wohnungsmarktkrise wächst.






