22 December 2025, 15:01

Beschuldigung: SWR kürzte auch Trumps Capitol-Rede empfindlich

Eine Person, die in ein Mikrofon spricht und im Hintergrund ein Banner mit der Aufschrift 'Bundesstaat' sieht.

Beschuldigung: SWR kürzte auch Trumps Capitol-Rede empfindlich

Vorwurf: SWR kürzte Trumps Capitol-Rede in sensibler Passage

Nach dem BBC-Skandal geraten nun deutsche öffentlich-rechtliche Sender in die Kritik. Auch der SWR schnitt Trumps Rede vom 6. Januar 2021 umstritten zusammen. Wie der Sender auf die Vorwürfe reagiert.

Ein deutscher öffentlich-rechtlicher Rundfunksender steht in der Kritik, weil er in einer Dokumentation über den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gezielte Schnitte vorgenommen hat. Der SWR, der den im ARD-Programm ausgestrahlten Film „Sturm auf das Kapitol“ produzierte, montierte zwei nicht aufeinanderfolgende Ausschnitte aus der Rede Donald Trumps bei einer Kundgebung so zusammen, dass fast 50 Minuten des Originaltons fehlen. Durch die Schnittführung entstand der falsche Eindruck, der damalige Präsident habe unmittelbar vor Beginn der Ausschreitungen zur Gewalt aufgerufen.

Auch die BBC war bereits für eine ähnliche irreführende Bearbeitung in ihrer Berichterstattung über das Ereignis scharf kritisiert worden.

In der umstrittenen Passage des SWR-Dokumentarfilms wurden zwei Teile von Trumps Rede kombiniert, die im Original etwa 60 Minuten auseinanderlagen. In der geschnittenen Version folgten auf die Worte „Ihr müsst Stärke zeigen, ihr müsst stark sein“ unmittelbar „Und wir kämpfen. Wir kämpfen wie die Teufel.“ Doch der weggelassene Abschnitt enthielt Trumps Aufforderung an seine Anhänger, „friedlich und patriotisch“ zum Kapitol zu ziehen, um ihre Stimme zu erheben.

Der Sender verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, die fehlende Passage sei „nicht relevant“ gewesen und die Zitate sollten „die Stimmung der Menge“ vermitteln, nicht aber eine vollständige Wiedergabe bieten. Der SWR betonte zudem, seine Berichterstattung entspreche „etablierten journalistischen Standards“. Kritiker wiesen jedoch darauf hin, dass die zentrale Frage sei, was Trump vor Ausbruch der Gewalt gesagt habe – nicht danach. Der SWR räumte zwar ein, dass Trump später in seiner Rede von friedlichem Protest gesprochen habe, doch zu diesem Zeitpunkt hatten die Ausschreitungen bereits begonnen. Unterdessen veröffentlichte „Die Weltwoche“ eine Videoanalyse, die zeigt, wie der ursprüngliche Kontext durch die Schnitte verfälscht wurde.

Die Debatte wirft die Frage auf, wie selektive Kürzungen die Aussage öffentlicher Stellungnahmen verzerren können. Sowohl der SWR als auch die BBC sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert, durch ihre Bearbeitung von Trumps Rede vom 6. Januar den Ablauf der Ereignisse vor dem Sturm auf das Kapitol falsch dargestellt zu haben.