Baden-Württemberg: Kommunen drohen Pleite durch teure Kita-Betreuung für Ü3-Kinder
Hans-Josef BeckmannBaden-Württemberg: Kommunen drohen Pleite durch teure Kita-Betreuung für Ü3-Kinder
Städte in Baden-Württemberg kämpfen mit der Finanzierung der Kindergartenbetreuung für Kinder über drei Jahren
In ganz Baden-Württemberg ringt man um die Finanzierung der Betreuung für Kinder ab drei Jahren. Das aktuelle System belastet die Kommunen mit jährlichen Millionendefiziten, da die Landeszuschüsse die tatsächlichen Kosten bei Weitem nicht decken. Angesichts ohnehin angespannter Haushalte fordern Bürgermeister nun dringend eine Reform, um die finanzielle Schieflage nicht weiter zu verschärfen.
Das Finanzierungsmodell für die Ü3-Betreuung – also für Kinder von drei Jahren bis zum Schulbeginn – hinkt den steigenden Ausgaben hinterher. Die Landesmittel werden als Pauschalzahlungen aus einem gedeckelten Budget gewährt, das trotz explodierender Betriebskosten und Personalkosten unverändert blieb. Die Folge: Städte müssen die Träger mit mindestens 63 Prozent der Betriebskosten subventionieren – eine gesetzliche Vorgabe, die die finanzielle Belastung weiter verschärft.
Personalmangel verschärft die Krise Hinzu kommt ein massiver Fachkräftemangel. Zwar sieht der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) eine Vertretungsquote von acht Prozent vor, doch in den Kitas liegt die tatsächliche Ausfallrate im Schnitt bei rund 20 Prozent pro Jahr. Diese Lücke berücksichtigt das Finanzierungssystem nicht – die Kommunen müssen die zusätzlichen Kosten selbst tragen.
Mehr als 80 Prozent der Gemeinden drohen bis 2026 Haushaltsdefizite Die Krise hat bereits dazu geführt, dass über 80 Prozent der Gemeinden bis 2026 mit Haushaltsdefiziten rechnen. Bürgermeister aus Ludwigsburg, Esslingen, Schwäbisch Gmünd und Tübingen fordern nun gemeinsam eine grundlegende Reform der Frühkindbildungsfinanzierung. Ihr Vorschlag: Das Land soll die Neugestaltung zu einem zentralen Punkt des nächsten Koalitionsvertrags machen.
Ohne Kurskorrektur wird sich die Finanzierungslücke in der Ü3-Betreuung weiter vergrößern – und die Städte müssen jährlich Millionenverluste verkraften. Die starre Struktur des aktuellen Systems und veraltete Zuschussregelungen drohen die kommunale Sparpolitik zu verschärfen, denn die Defizite in der frühkindlichen Bildung zeigen keine Anzeichen einer Besserung.






